Bärlauch
lat. bezeichnung: Allium ursinum

Volksnamen:
verwendete Pflanzenteile:
Inhaltsstoffe: Lauchöl, Flavonoide, Biokatalysatoren, Fructosane, reichlich Vitamin C (Ascorbinsäure), Chlorophyll
Sammelzeit:
Blätter im April vor der Blüte
Zwiebeln im Hochsommer, wenn das Kraut abgestorben ist
Eigenschaften: reigend, harntreibend, umstimmend, blutdrucksenkend, antiseptisch, antimykotisch, wurmtreibend
Anwendungsgebiete: Verdauungsstörungen, Bronchialkatarrh, Spul- und Madenwürmer, Blutreinigung, Herz-Kreislaufbeschwerden, Erhöhter Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte
Botanik
Der Bärlauch ist eine Waldpflanze, die
schattige feuchte Laubwälder bevorzugt. Man findet Bärlauch auch in Auen und an
Bächen. Er blüht im zeitigen Frühjahr, im April, mit weißen doldenartigen
Blütenständen. Nach der Blüte zieht sich die Pflanze völlig in die Zwiebel
zurück, um so zu überwintern. Wenn man sich die Stelle merkt, kann man im
November die Bärlauchpflanze leicht ausgraben und zur Vermehrung versetzen.
Bärlauch lässt sich aber auch leicht aus Samen ziehen. Dazu sammelt man den
Samen etwa Ende Mai ein, wenn die Blätter gelb geworden sind. Man bewahrt den
Samen dunkel, kühl und trocken bis zum nächsten Frühjahr auf und sät ihn Anfang
März auf ein feuchtes Saatbeet. Die Jungpflanzen kann man dann an eine feuchte
schattige Stelle im Garten umsetzen. Die Blätter, Blüten und auch die Zwiebeln
des Bärlauchs haben einen deutlichen Geruch und Geschmack nach Knoblauch.
Giftige Doppelgänger
Der Bärlauch hat leider sehr giftige
Doppelgänger.
Daher ist es wichtig, die Blätter sorgfältig abzuschneiden, statt einfach
abzureißen. Dann braucht man eigentlich nur noch "der Nase nachzugehen", denn
der starke Knoblauchgeruch, besonders beim Zerreiben zwischen den Fingern, ist
ein untrügliches Kennzeichen dafür, das es sich auch tatsächlich um Bärlauch und
nicht um die giftige Herbstzeitlose oder Maiglöckchen handelt.
Geschichte des Bärlauchs
Bereits im 8. Jahrhundert bezeichnete
Karl der Große in seiner "Königlichen Verordnung über die Landgüter" den
Bärlauch als eine "anbauwürdige Gartenpflanze". Tatsächlich wurde der Bärlauch
jahrhunderte lang als Heil- und Gewürzpflanze kultiviert. Dann geriet er in
Vergessenheit, bis er vor wenigen Jahren von experimentierfreudigen Köchen neu
entdeckt wurde. Heute ist der Bärlauch wieder so beliebt, dass man ihn sogar auf
gut sortierten Wochenmärkten kaufen kann.
Bärlauch wirkt auf den Körper ähnlich wie Knoblauch. Verantwortlich dafür sind
in erster Linie die Scharfstoffe im Bärlauchöl und deren biochemische
Abbauprodukte. Ein gemeinsames Merkmal aller Lauchgewächse wie Zwiebeln,
Knoblauch und auch Bärlauch sind ihr Gehalt an ätherischem, schwefelhaltigem Öl,
das Fäulnisbakterien und Entzündungen hemmt. Neuere Studien geben Hinweise
darauf, dass Bärlauch auch gegen hohen Blutdruck und bei Leberleiden hilft. In
der Naturheilkunde wird Bärlauch bei Magen- und Darmstörungen, gegen Blähungen,
Appetitlosigkeit und Schwächezustände eingesetzt. Dazu hackt man das frische
Kraut und gibt es dem Patienten. Wir sehr man den Bärlauch schon in alten Zeiten
schätzte, kann man im Kräuterbuch von Pfarrer Künzle nachlesen. "Wohl kein Kraut
der Erden ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Gedärmen und Blut wie der
Bärlauch." Viele, die den Bärlauch schätzen sind sogar der Meinung, dass der
Bärlauch dem Knoblauch in seinen, auch wissenschaftlich bestätigten, positiven
Wirkungen noch überlegen ist. Der Knoblauch habe durch die Jahrtausende der
Kultivierung viel von seiner ursprünglichen Kraft eingebüßt, während der
Bärlauch noch ein echtes Wildkraut ist.

Ernte und Kulinarisches
Vom Bärlauch kann man grundsätzlich
alle Pflanzenteile verwenden. Den besten Geschmack liefern jedoch die jungen
Blätter im März, die den vollen Geschmack und die ganze Kraft des Frühlings
enthalten. Am besten sammelt man Bärlauch, wie auch alle anderen Kräuter
vormittags, wenn sie noch im wahrsten Sinne des Wortes "taufrisch" sind.
Bärlauchblätter sind am schmackhaftesten bevor die Pflanze blüht. Da man
Bärlauch nicht lange aufbewahren oder trocknen kann (siehe Küchentipps), sollte
man die Zeit von Anfang März, wenn die ersten kleinen Blättchen aus dem Boden
kommen, bis Ende Mai gut nutzen. Unübertroffen schmeckt Bärlauch frisch nach der
Ernte. Man wäscht ihn kurz, schleudert ihn in einem Küchentuch trocken und gibt
ihn klein geschnitten mit etwas Salz direkt auf's Butterbrot.
Viele meinen, die älteren Blätter wären giftig. Das stimmt nicht. Sie werden nur
derber im Aroma. Die weißen Blüten schmecken angenehm süß und zart nach
Knoblauch. Sie sind eine dekorative Zutat zu vielen Gerichten. Kleingehackte
rohe Bärlauchblätter würzen Suppen, Salate, Gemüse und Brotaufstriche. An warme
Gerichte wird der Bärlauch erst zum Schluss gegeben, denn gekocht verliert er
etwas an Geschmack. Er ist trotzdem eine ideale Basis für eine Suppe und lässt
sich wie Spinat verarbeiten. Mit Brennnesselblättern zusammen ergibt er einen
wunderbaren Wildkräuterspinat.
Küchentipps
Das Aroma des Frühjahrs lässt sich mit
Bärlauch wunderbar in den Winter retten. Dazu wäscht man Bärlauch kurz,
blanchiert ihn und friert ihn ein. Dabei verliert er jedoch etwas an Geschmack.
Besser hält sich das Aroma, wenn man Bärlauch zum Zeitpunkt der besten Ernte,
wenn das Angebot besonders groß ist, mit Hilfe eines Fleischwolf oder eines
Stabmixers zu Mus verarbeitet und ihn ohne weitere Zutaten einfriert. Dazu
verwendet man am besten kleine Schraubgläser und kein Plastik, denn Kunststoffe
nehmen das Knoblaucharoma an. Alternativ stellt man Bärlauchbutter her, indem
man frischen Bärlauch in Streifen schneidet, reichlich in weiche Butter
einarbeitet und einfriert. So hat man das ganze Jahr über Bärlauchwürze zur
Hand. Glücklich wer immer ein kleines Glas Bärlauchmus oder -Butter im
Kühlschrank hat, um den wunderbaren Geschmack an Suppen, Soßen oder in den Quark
zu bringen. Ein ganz besondere Tipp ist das Bärlauchöl.
Für das Bärlauchöl wäscht man gut zwei Hände voll frische Bärlauchblätter und
schleudert sie im Küchentuch vorsichtig gut trocken oder lässt sie trocknen.
Anschließend grob schneiden und in ein dicht schließbares Glas füllen. Mit einem
kalt gepressten Raps- oder Olivenöl übergießen und drei Wochen kühl und dunkel
ziehen lassen. Abseihen. Fertig ist ein wunderbares Würzöl, das Ihnen den Geruch
des Frühjahrs auch noch im Winter in die Nase steigen lässt. Bärlauchöl oder
auch -essig kann man auch herstellen, indem man die frischen Blätter im Mörser
zerreibt und dann in die Flüssigkeit gibt. das sieht nicht so gut aus, wie
geschnittene Blätter in der Flasche, aber der Geschmack wird kräftiger. Auch
eine Bärlauchpaste dient dazu, das Aroma über das Jahr zu bringen. Dazu dreht
man die frischen, jungen Blätter, wenn sie noch reichlich da sind, durch den
Fleischwolf oder püriert sie und verrührt die Masse mit Salz und einem guten kalt
gepressten Pflanzenöl. Auf 100g Bärlauch kommen etwa 10 g Salz und 1 dl Öl. Die
Paste in dunkle Gläser füllen, gut verschließen und kühl aufbewahren. Die Paste
ist ein wunderbares Universalgewürz für alle Gelegenheiten, wo ein Hauch von
Knoblauch fehlt.
Rezepte
Meddersheimer Bärlauchcreme mit neuen Kartoffeln
für 4 Personen
5 g Bärlauch, 300 g Ziegenfrischkäse, 1 Blatt Gelatine, 200 g geschlagene
Sahne, Salz, Pfeffer, 1 große neue Kartoffel
Frischkäse durch ein Sieb passieren. Mit etwas Sahne glatt rühren. Pfeffern und
salzen. Den Rest der Sahne steif schlagen. Gelatine in kaltem Wasser einweichen
und mit etwas Sahne erwärmen und zu dem Ziegenkäse geben. Gut verrühren.
Geschlagene Sahne dazugeben. Bärlauchblätter gründlich verlesen, waschen und
fein schneiden. Unter die Creme heben. Die fertige Creme in eine Form geben und
im Kühlschrank versteifen lassen.
Rohe neue Kartoffeln in Scheiben schneiden und in Olivenöl goldbraun braten.
Zum Servieren Esslöffel in heißes Wasser tauchen und Bärlauchcreme auf dem
Teller mit etwas Salat anrichten. Kartoffelscheiben dazulegen und sofort
servieren.
Bärlauchpesto
2 große handvoll Bärlauchblätter,
1 Knoblauchzehe (muss nicht, intensiviert aber), 1 El Walnusskerne, 5 EL
geriebener Parmesan (frischen, kein Packerl), Olivenöl, Salz, Pfeffer
Bärlauch, Walnusskerne und Knofel ganz klein wiegen, mit Parmesankäse verreiben,
langsam so viel Olivenöl dazu, das eine sämige Paste entsteht, mit Salz und
Pfeffer abschmecken, über die gekochten Spaghetti geben, nicht extra erhitzen ->
zuviel Aromaverlust, auch auf frischem Brot einfach lecker
Sonstiges: geht auch mit allen möglichen anderen Kräutern, berühmt ist ja das
ursprüngliche Pesto aus Basilikum, aber schmeckt auch lecker mit Petersilie oder
Rauke (Rucola) oder einfach mit Kräutermischungen experimentieren
Wilde Frühlingsrolle
500 g junge Bärlauchblätter, 500 g
Brennnesseln (oder auch Blattspinat), 500 g Blätterteig, 400 g Schafskäse, 1
große Zwiebel, weiche Butter, kalt gepresstes Olivenöl, Salz, Pfeffer
Bärlauchblätter und Brennnesselblätter waschen und blanchieren, das heißt kurz,
etwa eine Minute, in sprudelnd kochendes Wasser geben. Abgießen und auskühlen
lassen. In der Zwischenzeit den Blätterteig ausrollen und dünn mit Butter
bestreichen. Die Zwiebel würfeln und in den dem Olivenöl leicht bräunen, den
Schafskäse würfeln. Die Blätter gleichmäßig auf dem Teig verteilen, die Zwiebeln
und den Schafskäse dazugeben, salzen und pfeffern. Den belegten Teig aufrollen.
Im vorgeheizten Backofen bei 180°C etwa 45 Minuten backen.
Brennnessel-Bärlauch-Creme-Suppe
200 g Brennnessel, 50 g Bärlauch, 50 g Butter, 20 g Mehl, 1 l Milch
Brennnessel und Bärlauch blanchieren und in Eiswasser abschrecken. Butter in
einem Topf zerlaufen lassen, Mehl dazu, Einbrenne machen und mit der Milch
aufgießen. Aufkochen lassen, die Brennnessel-Bärlauch-Mischung dazugeben,
nochmals aufkochen lassen, mixen. Mit Salz und etwas Suppenpulver abschmecken.
Sonstiges: Schleckermäuler nehmen weniger Milch und ziehen nach dem Aufkochen
leicht geschlagene Sahne unter, evtl. Croutons oder geröstete Sonnenblume
darüber streuen..