Blutwurz, Aufrechtes Fingerkraut
Lat. Bezeichnung: Potentilla erecta
Inhaltsstoffe: Gerbstoffen, Gerbsäure der rote Farbstoff Tormentol, das Glykosid Tormentillin, Flavonoide, Phenolkarbonsäure, Saponine, Harz, Gummi und ätherische Öle
Sammelzeit: Frühjahr, Herbst (kurz vor oder kurz nach der Blüte)
Wirkungsweise: Blutwurz wirkt stark zusammenziehend (adstringierend), antibakteriell, entgiftend, immunstimulierend, krampflösend, austrocknend und antiphlogistisch. Der Saft der Pflanze wirkt im Laborversuch hemmend auf das Wachstum von Bakterien und Viren.
Anwendung: Zubereitungen des Tormentill werden daher wie andere gerbstoffhaltige Drogen (Eichenrinde, Ratanhiawurzel) äußerlich in Form von Spülungen oder Pinselungen bei entzündlichen Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhaut, bei Entzündungen des Zahnfleischs und anderen Erkrankungen des Rachens und des Kehlkopfes verwendet, außerdem bei Verbrennungen. Innerlich genommen werden sie bei akuten, unspezifischen Durchfallerkrankungen eingesetzt und sind indiziert bei Enteritis und Fieber sowie zur Stärkung des Magens.
Für Tee setzt man drei Esslöffel getrockneter, zerkleinerter Blutwurz mit 1/2 Liter kaltem Wasser an, erhitzt bis zum Kochen und lässt den Sud dann eine Viertelstunde bei kleiner Hitze köcheln. Von diesem Tee trinkt man, um die Darmfunktionen zu regulieren, täglich eine Tasse. Der Sud eignet sich auch für Mundspülungen oder als Badezusatz.
Zur Bereitung einer Tinktur gibt man einen Teil Blutwurz mit zehn Teilen Weingeist in eine Flasche, die man gut verschließt und öfters schüttelt. Nach vier bis sechs Wochen ist die Tinktur fertig, nach Abseihen nimmt man bei Bedarf zwei- bis dreimal täglich 15 Tropfen mit Wasser. (Vorsicht: Alkohol!)
In Bayern (vor allem im Bayerischen Wald) wird Blutwurz als Schnaps gebrannt und in Steingut-Flaschen abgefüllt. Das Destillat enthält üblicherweise um die 68 Volumen-Prozent Alkohol und ist manchmal mit Gewürzen wie Zimt versetzt, was den Geschmack erheblich beeinträchtigt. Echtes Blutwurz-Destillat erhält man am ehesten von privaten Brennereien; es gibt jedoch auch einige größere Produzenten, die Blutwurz in akzeptabler Qualität herstellen.
Die alten erfahrenen Kräuterdoktoren empfehlen Blutwurzpulver, in Wein aufgelöst zu gebrauchen. Leute, die die Anlage zum Schlaganfall haben, mögen jeden Frühling und Herbst eine 14tägige Blutwurzkur machen, etwa tgl. zweimal einen halben TL Pulver in etwas Wein. Das gleiche Mittel stärkt schwache Lungen und stillt das Blutspeien. Sie empfehlen dieses Mittel ebenfalls bei Gelbsucht und Leberleiden, bei Herzschwäche.
Blutwurz ist eine ausdauernde, liegende Staude aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) mit handförmigen, meist dreiteiligen, gezackten Blättern an vielen dünnen, behaarten Stängeln und langstieligen gelben Blüten mit vier Blütenblättern aus einem kräftigen Rhizom. Sie wächst gerne auf mageren Wiesen und bevorzugt saure Böden.
Die Blutwurz hat ihren Namen von dem blutroten Saft, der bei Anschneiden aus dem gelblich-weißen Rhizom austritt. Im Mittelalter wurden mit Blutwurz noch verschiedene Drogen bezeichnet, denen man blutstillende Eigenschaften nachsagte, heute meint man damit ausschließlich den Tormentill, den die moderne Kräuterheilkunde als ausgezeichnet verträgliche Gerbstoffdroge schätzt, die akute Durchfälle lindert.
Rezepte
Hirtentäschelkraut 30g
Tormentillwurzel 30g
Mistel 40g
Von der Abkochung aus 1 EL der Mischung auf eine Tasse Wasser trinkt frau tgl. 1 –2 Tassen vor den Mahlzeiten.