Dachwurz, Hauswurz

lat. Bezeichnung:  Sempervivum heuffelii/tectorum

 

Volksnamen: Bart des Jupiter, Dachlauch, Donnersbart, Donnerwurz, Hauswurz, Steinrose, der englische Name "hen-and-chicks" beschreibt zutreffend, wie diese Pflanze sich vermehrt - durch Stolonen, Ableger.

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleim, Zucker, fettes Öl, Harze, Ameisen- und Apfelsäure, Kalziummalat

 

Etymologie

Der Name Sempervivum kommt aus dem Hoch-Mittelalter und stammt aus dem Lateinischen: „Semper" bedeutet „immer" und „vivus" bedeutet „lebend". Semperviven sind also so genannte „Immer-Lebende", wohl, weil diese mehrjährigen Pflanzen (Stauden) ihre Blätter im Winter behalten und sehr widerstandsfähig in punkto schwierigen Wachstums-Bedingungen sind.

 

Merkmale

Hauswurzen wachsen als Horste (Rosetten-Polster) mehrjähriger Stauden. Die Pflanzen sind monokarp, das heißt nach der Blüte sterben die Rosetten, die geblüht haben, ab.

 

Blätter

Diese immergrünen Pflanzen sind - wie fast alle Vertreter der Dickblattgewächse - sukkulente Pflanzen, das heißt sie sind in der Lage, in ihren dicken Blättern Wasser zu speichern.

 

Ihre zwittrigen Blüten weisen zuerst ein männliches Stadium auf. Danach biegen sich die Staubblätter zur Seite und weg von den Fruchtblättern im Zentrum der Blüte. Auf diese Weise wird Selbstbestäubung erschwert. Die Färbung der Blüten ist rötlich, gelblich oder - selten - weißlich.

Bei den Jovibarba-Arten (Sempervivum subgenus Jovibarba) sind die Blüten glockenförmig. Sie haben sechs Petalen und sind blaß-grün oder gelb.

 

Verbreitung

Sie kommen von Marokko bis zum Iran vor, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich zwischen diesen Eckpunkten durch die spanischen Sierras, die Alpen, Karpaten, die Berge des Balkan, der Türkei und Armeniens. Sie leben hauptsächlich auf besonnten Felsen und steinigen Gebieten in der montanen, subalpinen und alpinen Zone.

 

Wie einige andere Pflanzen der Alpen und Europas haben ihre Vorfahren wahrscheinlich subtropische Wurzeln. Morphologisch sind sie offensichtlich verwandt mit den Gattungen Aeonium, Greenovia, Aichryson und Monanthes, die vom makaronesischen Florengebiet (Kanarische Inseln, Madeira) her bekannt sind. Jedoch sind ihre subtropischen Verwandten anders als die Hauswurze nicht frosthart.

 

Auf Dächern oder Mauern kann man die Dach-Hauswurz (S. tectorum/alpinum) finden, meist angepflanzt, mitunter verwildert/wild, meist sehr weit von ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet entfernt.

 

Verwendung als Zauberpflanze

Der Dach-Hauswurz ist eine alte Heil- und Zauberpflanze. Einige glauben, daß diese Pflanze ein Haus vor Blitzschlag schützen kann.

 

Karl der Große hat in seiner Landgüterverordnung (Capitulare de villis) sozusagen befohlen, gewisse Pflanzen anzupflanzen. "Ein Kaiser ernährt sein Volk" hieß es. Er lieferte mit dieser Verordnung zum ersten Mal eine genaue Übersicht dessen, was an Heil-, Nahrungs- und Gewürzpflanzen zu dieser Zeit bekannt war. Zu den verordneten Pflanzen gehörte auch die Hauswurz (Sempervivum tectorum L. ) die zum Schutz vor Blitzschlag auf jedes Dach zu pflanzen war! Und so bildet seit Jahrtausenden die Hauswurz dichte Polster auf Torbögen, Mauerpfosten, Dächern und Scheunen.

 

Zerquetschte Hauswurz auf Wunden, brandige und hitzige Stellen, auf Quetschungen, Verrenkungen und Krampfbeine aufgelegt, nimmt er den Schmerz.

Sie besitzt große Kraft bei Ohrenschmerzen, wobei man einige Blätter zerquetscht und den ausgedrückten Saft ins Ohr geträufelt.

Bei uns wird die Hauswurz innerlich nicht gebraucht. In Schweden dagegen gilt sie als Mittel gegen das Bettnässen. Die Schweden nehmen eine Handvoll frische Blätter, kochen sie in einem Liter Milch, mischen dann noch einen TL Weinstein bei. Von diesem Trank geben sie dem Bettnässer 2-3x tgl. eine halbe Tasse

 

Hauswurzsalbe

Der frisch gepresste Blättersaft der Hauswurz wird in warmes, flüssiges Schweineschmalz gegossen und bis zum Erkalten gerührt. Bei Bedarf auftragen.

Haltbarkeit: 1 Jahr.

Tipp: Hauswurzsalbe ist hilfreich bei verschiedenen Wunden wie z.B.: Entzündungen, Brandwunden, Insektenstichen.