Efeu

lat. Bezeichnung: Hedera helix

 

Volksnamen:  Baumtod, Immergrün, Gemeiner Eppich, Mauerefeu 

Verwendete Pflanzenteile: Blätter (Blüten)

Inhaltsstoffe: Saponine, Glykoside, organische Säuren, Mineralien (Jod)

Sammelzeit: Mai - August

Wirkungsweise: Harntreibend, schweißtreibend, schleimlösend, krampflösend, auswurffördernd, haut- und schleimhautreizend, blutreinigend

Verwendung: Chronische Bronchitis, Keuchhusten, Nasenschleimhautschwellungen, Eitrige Geschwüre, Brandwunden, Gicht und Rheuma, Menstruationsregelnd, skrofulöse Menstruationsbeschwerden, Zellulitis

 

Efeu wuchert gern über alte Gemäuer und steht sinnbildlich für das Ewige. Manche Häuser oder auch Bäume sind über und über mit Efeu bewachsen. Der Efeu (Hedera helix) ist eine immergrüne, winterharte Pflanze, die durch Saugwurzeln in der Lage ist, an Mauern empor zu ranken und dabei Höhen bis zu 20 Meter erklimmen kann. Fehlen solche Klimmstützen, so überwuchert der Efeu gelegentlich flächendeckend den Boden.

 

Der Efeu ist der einzige Wurzelkletterer in Mitteleuropa und der einzige mitteleuropäische Repräsentant der Araliengewächse. Efeu entstammt aus den Tropfenwäldern des Tertiär. Daran erinnern die Träufelspitzen seiner Blätter, die das Wasser rasch ableiten. Efeu in extrem schattigen Lagen kommt nie zum Blühen, bildet also nur Kriechsprosse aus. Mit Stecklingen in feuchter Erde lässt sich die Pflanze leicht vermehren. Ein Efeustock, der aus einem Blütensprosssteckling hervorgegangen ist, behält seinen aufrechten Wuchstyp bei und kann niemals Kriechsprossen ausbilden.

Efeu blüht in den Monaten September bis Oktober und stellt auch damit eine Besonderheit innerhalb der mitteleuropäischen Flora dar, deren Blütezeit zum größten Teil in den Frühjahrs- und Sommermonaten liegen. Aufgrund dieser späten Blüte ist der Efeu eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen, Wespen und Schwebfliegen.

 

Die Früchte reifen von Februar bis April und werden von Gartenrotschwänzen, Mönchsgrasmücken, Star, Amseln und Drosseln verbreitet. Die sehr kleinen gelbgrünen Blüten erscheinen nur an älteren Pflanzen. Im Alter verändert sich die Blattform. Bei Pflanzen, die über 20 Jahre alt sind, geht die fünffingrige Blattform in eine rautenförmige Blattform über. Man spricht dabei von "erwachsenen" adulten Blättern.

 

Efeu in der Pflanzenheilkunde

Naturheilkundler unterstellen der Pflanze eine heilende Wirkung, sämtliche Pflanzenteile sind auf Grund des Saponingehalts giftig. Allerdings finden Zubereitungen aus Efeublättern wegen ihrer entkrampfenden Eigenschaften verstärkt Verwendung in Mitteln gegen Bronchitis. Sie werden gerne in der Kinderheilkunde eingesetzt. Durch aktuelle Forschungsanstrengungen konnte der Wirkmechanismus entschlüsselt werden. Efeublätter werden in sehr geringen Mengen außerdem in Bronchialtees verwendet, da ihr Gehalt an Saponinen den Abtransport des Schleims verbessert. In der Volksheilkunde wird ein Efeu-Umschlag bei Nervenschmerzen empfohlen. In der Neuzeit war man auch von der empfängnisverhütenden und sogar abtreibenden Wirkung der Pflanze überzeugt: "Alle frommen Frauen sollen sich hüten, von diesem Safte gekochte oder gebrannte Wasser zu sich zu nehmen" (Otto Brunfels in seinem Contrafayt Kreuterbuch 1532)

 

In der Heilkunde war der Efeu früher eine sehr wichtige und beliebte Heilpflanze, heute hingegen spielt der Efeu nur noch eine Nebenrolle in der Naturheilkunde.

In starker Dosierung ist der Efeu giftig; das mag ein Hauptgrund sein, warum er heute eher selten eingesetzt wird. Äußerlich als Umschlag oder Packung angewendet, kann der Efeu seine Kräfte jedoch ungefährlich entfalten.

 

In der Pflanzenheilkunde steht die Verwendung des Efeus bei Katarrhen verschiedenster Art als Tee oder alkoholischer Auszug im Vordergrund.

 

Tee

Ein gehäufter Teelöffel mit 1/4l kochendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen. Kann mit Honig gesüßt getrunken werden.

 

Weiterhin verwendet man den Tee bei Hautunreinheiten  (auch zu Waschungen), bei Gallebeschwerden, Rheuma, Gicht und äußerlich bei Läusen und Krätze.

 

Efeublätterpulver ist ein wirksames Mittel gegen Nasenpolypen und andere Nasenschwellungen. Man nimmt dazu 3-4 mal täglich eine Prise, die man direkt mit der Nase einzieht.

 

Historisches

Im klassischen Altertum war der Efeu den Göttern des Weines geweiht. Sowohl der altägyptische Osiris, der griechischen Dionysus und der römische Bacchus wurden mit Wein- und Efeulaub bekränzt dargestellt.

Die Griechen trugen bei festlichen Gelagen Efeukränze, weil die Blätter teils als bacchische Begeisterung weckend, teils als gehirnkühlend galten. Auch die Trinkbecher auf Festen zu Ehren des Gottes Bacchus wurden mit Efeu berankt.

Dionysosverehrer glaubten, reichliches Efeuvorkommen an einem Ort wäre ein sicheres Zeichen für die Anwesenheit des Gottes. Dichter bekränzte man mit Efeu, weil der Efeu auch eine heilige Pflanze des Gottes Apoll und der Musen war. In der Antike ist er deshalb bereits in den Gärten angebaut worden, obwohl Plinius bereits seinen Schriften die Behauptung aufstellte, dass diese Pflanze Mauerwerk und Bäume schaden würden und sich unter seinen Blättern Schlangen heimisch fühlten. Bereits in der Antike kannte man Sorten, deren Blätter weiß oder gelb panaschiert waren.

 

Efeu in der Symbolik

Es wird berichtet, dass die ersten Christen gläubige Verstorbene auf Efeu, die nicht Bekehrten auf Zypressen legten. Wer in Christo getauft sei, der sei unsterblich, die Ungetauften aber seien ohne Hoffnung auf Auferstehung, gleich den Zypressen, die einmal gefällt, nie mehr nachwachsen. Wenn heute Grabstätten häufig mit Efeu bepflanzt werden, so ist das eine meist unbewusste Nutzung des Symbols vom ewigen Leben. Wie im Leben so im Tod steht als Devise auf manchem alten efeuumschlungenen Grabstein.

Da der Efeu nicht bestehen kann, ohne sich anzuschmiegen, ist er seit alters auch Sinnbild der Freundschaft und Treue. Als immergrüne Pflanze schon im Altertum Sinnbild der Treue und des ewigen Lebens. Im alten Griechenland erhielt ein Brautpaar einen Efeuzweig als Symbol immerwährender Treue.

Da Efeu sowohl im Alten Ägypten als auch Rom und Griechenland den Göttern des Weines zugeordnet war, galt er auch als Symbol der Heiterkeit, der Geselligkeit und der Freundschaft.

 

Efeu im Aberglauben und im Brauchtum

In Westfalen brachten am 4. Fasten-Sonntag Mädchen den Nachbarn Efeukränze, die über dem Herd aufgehängt wurden, um so den Frühling ins Haus zu bringen. Als Orakelpflanze soll Efeu am 24. Februar - Matthias - verwendet worden sein. Nachts tanzten die Mädchen bei Fackelschein und warfen die Efeu- und Strohkränze ins Wasser. Hinter ihrem Rücken mussten sie versuchen einen Kranz zu fassen. Der Efeukranz bedeutete Glück in der Liebe, es sollte noch in demselben Jahr Hochzeit sein. Der Strohkranz zeigte dagegen Unglück an. Ebenso wurde mit Efeublättern in der Andreasnacht georakelt. Man warf zwei Efeublätter in eine Schale mit Wasser, so dass sie auf der Oberfläche schwammen. Waren die Blätter am nächsten Morgen zusammen getrieben, dann sollte es noch in diesem Jahr Hochzeit geben. Trieben sie getrennt voneinander, dann musste man noch länger warten.

 

Efeu in der Kunst

Als Hinweis auf treue Verbundenheit und ewiges Leben ist die besonders häufige Darstellung von Efeublättern auf frühchristlichen Sarkophagen und Katakombenfresken zu verstehen. Der Efeu bedeutet, dass die Seele lebt, wenn auch der Körper tot ist. Schon in Griechenland soll Efeu aufgrund dieses Symbolgehalts zur Hochzeit überreicht worden sein.