Engelwurz

Lat. Bezeichnung: Angelica archangelica

 

Familie: Doldenblütler (Apiaceae)

Volksnamen: Angelik, Engelbrustwurz, Erzengelwurz, Erzengelwurzel, Gartenangelik, Giftwürze, Heiligenbitter, Heiliggeistwurzel, Heiligengeistwurzel, Theriakwurzel

Verwendete Pflanzenteile: Wurzel

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Harz, Furocumarin, organische Säuren Die Berührung mit dem Kraut kann zu chemischen Brandwunden führen – ab Mai enthält die Pflanze die phototoxisch wirkenden ätherischen Öle. Es sind die Furocumarine, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen und zu Dermatitis führen können.

Sammelzeit: zeitiges Frühjahr oder Spätherbst

Heilwirkung:

antiseptisch, abwehrsteigernd, kraftspendend, Appetitlosigkeit, Blähungen, Erkältungskrankheiten, Erschöpfungszustände, Rheuma, Leberschwäche, Magenschwäche, Verstopfung, Kreislauf stabilisierend

 

 

Da sagte die Engelwurz zu dem Wissenschaftler: "Hältst du es für möglich einen Menschen vollständig zu zerlegen, ihn auf seine chemikalischen Grundbestandteile zu reduzieren, das Ergebnis in eine messende und analysierende Maschine zu speisen, und dann daraus zu schließen, ob er ein begabter Maler oder ein kreativer Musiker ist? Nein? Warum glaubst du dann, dass du etwas über mich weißt, wenn du das mit meinem physischen Körper getan hast?"

 

"Ja, aber wie sonst soll ich etwas über die Heilkräfte einer Pflanze erfahren?" fragte der verunsicherte Wissenschaftler.

 

"Frage die Alten, frage die Weisen, sie werden es dir sagen" antwortete die Engelwurz.

 

"Aber wir haben keine alten Weisen mehr, und kaum Überlieferungen!" seufzte der Wissenschaftler.

 

"Dann werde selber ein Weiser! Dann nimm mich als Lehrer. Komm setz dich zu mir. Ich werde Dir die Rituale und Zauberworte schenken, mit denen du meine Geschwister rufen kannst."

 

 

Die mannshohe Angelika ist eine alte Heilpflanze aus dem Norden. Im blühenden Zustand wird die Angelika bis zu 2 m hoch. Die Angelika ist eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr bildet sie Blätter am Boden aus und im zweiten Jahr wächst sie hoch und blüht.

Früher stand sie in jedem Garten, inzwischen findet man sie jedoch häufiger verwildert als in Hausgärten.

 

Sie gehört zur großen Familie der Doldenblütler und ist eine von den großen Vertretern dieser Familie. Trotz der Größe besteht Verwechslungsgefahr mit dem tödlich giftigen Wasserschierling. Man sollte die Pflanze also sehr gut kennen, bevor man sie sammelt. Wie andere Doldenblütler bestehen ihre Blüten aus Dolden, die bei der Angelika eher rund als flach sind.

Da sie nur sehr langsam keimt, ist es nicht so einfach, sie anzubauen. Wenn sie sich in einem Garten jedoch eingelebt hat, sät sie sich auch von selbst aus und kommt dann immer wieder.

 

Griechen und Römer kannten die Engelwurz nicht, da sie aus dem Norden (Skandinavien, Island, Grönland) nach Mitteleuropa gelangte. In Nordeuropa wurde die Pflanze seit dem 12. Jh. als Gemüse gegessen. Die Kräuterbücher des 16. Jh. weisen auf ihren Einsatz gegen die Pest hin, indem z.B. das Riechen an einer mit Essig getränkten Wurzel vor dieser Erkrankung schützen sollte. Auch gegen Zauberei und böse Geister wurde die Pflanze (Heiligengeistwurzel) eingesetzt. Der Gattungsname "Angelica" ist lateinischen (angelus = Engel) bzw. griechischen (angelos = Engel) Ursprungs. Nach der Sage soll die heilkräftige Pflanze den Menschen von einem Engel gezeigt worden sein. Auch der Artname "archangelica" ist danach geprägt.

 

 

Rezepte

 

Engelwurztee

Für den Tee nimmt man etwa einen TL Engelwurz pro Tasse, setzt kalt an und erhitzt nach etwa 1-stündigem Ziehen bis zum Sieden. Nicht kochen lassen, sonst verfliegen die ätherischen Öle. Man trinkt bis zu zwei Tassen täglich.

Anwendung:

Gegen Verdauungsschwäche und Blähungen, bei Appetitlosigkeit, Katarrhen, Bronchitis, Rheuma, Gicht, Nervenschmerzen

 

Engelwurz - Wein

Man übergießt 50 g fein zerschnittene Engelwurz mit 1 L Moselwein, lässt das Gemisch etwa 5 Tage stehen, seiht ab und bewahrt diesen Wein in kleinen, gut schließenden Flaschen auf, um bei Bedarf ein Südweinglas voll davon zu trinken.

Zutaten:

50 g fein zerschnittene Engelwurz, 1 L Moselwein

Anwendung:

als Verdauungshilfe

 

Engelwurzpulver

Von der getrockneten, pulverisierten Wurzel nimmt man 2 - 3 mal täglich eine gute Messerspitze voll.

Zutaten:

getrocknete, pulverisierte Engelwurz

Anwendung:

Gegen Verdauungsschwäche und Blähungen, bei Appetitlosigkeit, Katarrhen, Bronchitis, Rheuma, Gicht, Nervenschmerzen

 

Engelwurztinktur

Die Wurzeln mit dem Alkohol versetzen und zwei Wochen unter häufigem Schütteln stehen lassen. Danach abfiltrieren und in einer braunen Flasche aufbewahren. Man nimmt die Tinktur tropfenweise ein.

Zutaten:

20 g getrocknete Wurzel

10 g frische Wurzel

100 g 70 - 90%iger Alkohol

Anwendung:

Gegen Verdauungsschwäche und Blähungen, bei Appetitlosigkeit, Katarrhen, Bronchitis, Rheuma, Gicht, Nervenschmerzen

 

kandierte Angelikastängel

Zutaten

Junge frische Angelikastängel

1,7kg Zucker

Junge frische Angelikastängel vor der Blüte und nicht dicker als ein kleiner Finger sammeln und wie Rhabarber abschälen, in kleinere Stücke schneiden und in Wasser weich kochen. Abseihen. Das Kochwasser kann man als Heiltee trinken.

Zuckerlösung kochen: 1kg auf 1 l Wasser, 5 min sprudelnd kochen lassen und über die Angelikastängel gießen. Zugedeckt über Nacht ziehen lassen. Von diesem Sirup die Hälfte abschütten, kann für Kuchen, Eis, Pudding Kuchenbelag verwendet werden. Es soll noch soviel Sirup übrig bleiben, dass die Stängel gut bedeckt sind. Diesem restlichen Sirup 1 Tasse Zucker zufügen, 5 min kochen, wieder über die Stängel gießen und über Nacht stehen lassen. Ohne nochmals was vom Sirup wegzunehmen, diese Prozedur noch 3mal wiederholen. Danach die Stängel gut abtropfen lassen, kurz in warmem Wasser waschen und auf Backblech an der Luft trocknen lassen.

Jetzt neuen Sirup kochen aus 500 g Zucker und 1 l Wasser, dies solange unter kräftigem Rühren kochen, bis Sirup dick wird. Stängel darin kurz aufkochen, mit Schaumlöffel herausnehmen und auf einem mit Stanniolpapier belegten Backblech an der Sonne oder im offenen Backofen trocknen.

Sonstiges: Die froschgrünen Stängel in kleinen Schachteln aufbewahren. Sie passen gut zum Verzieren (und Verzehren) von Eis, Cremes, Kuchen usw. Sie ähneln vom Aussehen Zitronat. Den restlichen Sirup kann man in Flaschen gefüllt im Kühlschrank aufbewahren, aber auch einwecken. Er wird wie oben verwendet, man kann aber auch mit Sprudel eine Angelikalimonade machen