Frauenmantel

lat. Bezeichnung: Alchemilla vulgaris
Volksnamen: Alchemistenkraut, Aller Frauen Heil, Frauenhut, Frauenhaarmantel, Frauenkraut, Frauenrock, Frauentrost, Frauenwurzel, Gänsefuß, Gewittergras, Hergottsmäntelein, Himmelstau, Löwenfußkraut, Mantelkraut, Marienblümli, Marienkraut, Marienmantel, Muttergottesmantel, Perlkraut, Regendachl, Regendächle, Sintau, Synnaw, Sonnenthau, Taubecher, Taublatt, Taufänger, Taumantel, Taurosenkraut, Tauschüsserl, Tränenschön, Unser Frowen Mantel, Wasserträger, Weiberkittel, Wiesensinau
Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Wurzeln
Sammelzeit: Vom Frühjahr bis zum Juli, man sammelt sie, wenn der Morgentau oder die in feuchten Nächten oft aktiv aus der Pflanze herausgepreßten WASSERTROPFEN (Guttation) abgetrocknet ist
Inhaltsstoffe: Blätter: Gerbstoffe, Bitterstoffe, Saponine, Glykoside, ätherische Öle, Flavonoide
Wurzel: Progesteron
Wirkungsweise: beste einheimische Progesteronpflanze, pflanzliches Hormon, blutstillend, antiseptisch, entzündungshemmend, blutreinigend, zusammenziehend, mensregulierend, wundheilend (innerliche Wunden bei Frauen), vorbeugend bei Frauenkrankheiten, Muskulatur festigend (Gebärmutter), Geburt fördernd, Kreativität fördernd, hilft Traumata verarbeiten.
Verwendung: Durchfallerkrankungen, Blutungen, Hautwunden, Entzündungen der Verdauungsorgane
Den Namen Frauenmantel trägt diese horstbildende Staude seit etwa 1500. Der Name leitet sich von den Schutzmantelmadonnen, die seit dem 14. Jahrhundert ein Bildtypus der abendländischen Kultur waren. An diesen Mantel erinnern die halbkreisförmigen Blätter, die auch voll ausgebildet den Eindruck erwecken, als besäßen sie eine feine regelmäßige Fältelung. Der wissenschaftliche Namen Alchemilla leitet sich vom arabischen alkemelych (Alchemie) her. Dies beruht darauf, dass die mittelalterlichen Alchimisten sich vom kristallklaren Guttationstropfen inspiriert fühlten und ihn in ihren Versuchen zur Herstellung mystischer Essenzen und sogar zur Goldherstellung gebrauchten.
Frauenmantel wurde lange Zeit bei allen Frauenleiden als Heilmittel hochgeschätzt. Frauenmantelblätter haben einen hohen Gerbstoffgehalt und finden daher in Tees gegen Durchfallerkrankungen Einsatz.
Seit Jahrhunderten wird der Frauenmantel von den Frauen geschätzt und genutzt. Alle, schon die Alchemisten im Mittelalter und Paracelsus, rühmen ihn ehrfürchtig. Bei keiner anderen Pflanze kann man Signatur und folglich die Heilwirkung so klar erkennen wie hier. Ein Morgenbesuch beim Frauenmantel zeigt uns die ungeheure universelle Kraft dieser Heilpflanze auf: wir beobachten den Tropfen im Mittelpunkt des Blattes und am Blattrand die Guttationstropfen, den Perlenkranz, eine Alchemistenpflanze, Pflanze gewordene Menstruation.
Der Frauenmantel ist so vielseitig, dass er sich nicht einordnen lässt, und deshalb auch nicht als offizielle Heilpflanze gilt.
Er ist für Frauen überall in allen Formen einsetzbar, in Teemischungen, Tropfen, im Badewasser, zum Einreiben, als Blütenessenz, bei allen Frauenproblemen ist er mit dabei, von A wie Amenorrhoe bis Z wie Zysten, von der Menstruation bis nach den Wechseljahren.
Seine größtes Potential besitzt er nach neuen jedoch als einheimische Progesteronpflanze, vergleichbar mit der mexikanischen Yamswurzel.
Die alpine Schwester des Frauenmantels ist der Silbermantel, mit eirunden, bis zur Mitte gefurchten Blättchen, untererseits mit silbernsamtigem Pelzchen. Er kann wie der Frauenmantel eingesetzt werden.
Schon bei den Germanen war der Frauenmantel Freya, der Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, heilig. Er wurde von den heilkundigen Frauen bei abnehmenden Mond gesammelt, um die Blutflüsse der Frauen zu stillen und Wunden zu heilen. Die Blätter sondern nachts bei entsprechender Luftfeuchtigkeit kleine Wassertröpfchen aus den Spaltöffnungen der Blattzahnwinkel ab. Die Tröpfchen sammeln sich in der Blattmitte zum so genannten Guttationstropfen. In früheren Zeiten wurde ihm Zauberkraft zugesprochen. Die Anwendung der Flüssigkeit führe dazu, dass ältere Weiber in den Zustand der Jungfräulichkeit zurückversetzt werden.
Das hormonelle Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron (Gelbkörperhormon), die Basis des weiblichen Zyklus ist heute vielfach aus der Balance geraten, aus verschiedenen Gründen überwiegt eher das Östrogen.
Probleme während der zweiten Zyklushälfte, prämenstruelle Symptome, in der Zeit zwischen Eisprung und Blutung deuten darauf hin, der Körper benötigt zum hormonellen Ausgleich Progesteron.
Östrogenpflanzen und Lebensmittel gibt es einige, Progesteronpflanzen hingegen sind rarer. Frauenmantel ist die stärkste einheimische Progesteronpflanze. Progesteronpflanzen in der zweiten Zyklushälfte (ab Eisprung) anwenden!
Zu den Progesteronpflanzen zählen:
Frauenmantel
Mönchspfeffersamen
Yamswurzel
Schafgarbe
- Tee oder Tinktur zum Einnehmen, meist in Mischungen bei allen Frauenkrankheiten, bei Menstruationsbeschwerden (siehe Menstruationstee), zur Vorbeugung vor Frauenkrankheiten, als Progesteron zum Hormonausgleich, bei Wechseljahrbeschwerden, zur Zyklusregulierung, zur Geburtsvorbereitung, nach der Geburt zur Rückbildung, in Kindbettkissen, bei Unterleibsentzündungen, Gebärmutter- oder Eileiterentzündung, Ausfluss, Vaginalinfekten, zur Stärkung der Gebärmutter.
- Waschungen, Bäder, Sitzbäder oder Spülungen mit Tee oder verdünnter Tinktur (1 : 5-10) oder Destillat.
- Progesteroncreme oder Progesterongel bei Hormonungleichgewicht, d. h. bei Östrogendominanz einreiben.
Rezepte
40 g Frauenmantelwurzel oder Silbermantelwurzel
8 g Blätter und Blüten
150 -175 g 50 -60 %igen Alkohol
Frauen- oder Silbermantelwurzel ausgraben, waschen, schaben, mit Haushaltpapier trockentupfen, liebevoll in kleine Scheibchen schneiden. Blätter und Blüten klein zerpflücken, beides in ein Konfitürenglas geben.
Den Alkohol sofort zufügen, die Wurzeln müssen gut bedeckt sein. Zur Dynamisierung schütteln, beschriften und einen Mond lang im Halbschatten reifen lassen. Dabei regelmäßig besuchen und schütteln, dann filtrieren, in dunkle Flasche füllen.
Anwendung
Die Tinktur wirkt stärker als der Tee, von einer liebevoll selbsthergestellten Tinktur oder von gekaufter Tinktur werden nur wenige Tropfen benötigt.
3 mal täglich 3-4 Tropfen (mit niedriger Dosis beginnen, ev. steigern) in wenig Wasser oder 4 mal 4 Sprühstöße in den Mund sprayen, während der zweiten Zyklushälfte, etwa 10-14 Tage vor der Menstruation, bei Zyklusbeschwerden wie Brustspannen, Aufgedunsenheit, Gewichtszunahme, Depressive Stimmung, Migräne, Gelenkbeschwerden, Libidoverlust, Schmierblutungen, Venenprobleme, schwere Beine, Bluthochdruck, Myome, Eierstock- und Brustzysten, Haarausfall, Akne, Verkürzter Zyklus, Kalte Hände und Füße, Schlafstörungen
Einige obengenannter Symptome können auch in den Wechseljahren auftreten.
Bei Wechseljahrbeschwerden zusätzlich zum Wechseljahrtee in der zweiten Zyklushälfte 3 mal täglich 3-4 Tropfen mit wenig Wasser einnehmen oder 4 mal 4 Sprühstöße in den Mund sprayen.
Wenn der Zyklus unregelmäßig am Ausklingen ist oder nach den Wechseljahren, nehmen Sie die Tropfen zyklisch ein, z.B. immer vom 10. bis Monatsende, vom 1.-10. Jeden Monats pausieren.
Nach diesem Rezept kann man auf ganz einfache Art Frauenmanteltinktur einreiben, denn Hormone sowie Phytohormone werden durch die Haut ausgezeichnet aufgenommen. Phytohormone wirken 1000x sanfter als künstliche Hormone, und es sollten keine Nebenwirkungen entstehen.
Die Creme wird schnell resorbiert und stellt dem Körper Diosgenin für die Hormonproduktion (Progesteron) zur Verfügung, so dass der körpereigene Hormonhaushalt ausgeglichen wird.
Einer Oestrogendominanz wird dadurch entgegengewirkt.
Zutaten für 100 ml
80 g neutrale Körpermilch oder Körpercreme
20 g Frauenmantel-, Silbermantel- oder Yamstinktur
Die Körpermilch in eine weithalsige Flasche abwägen und gut schütteln. Die Tinktur zufügen, vorsichtig schütteln, fertig!!
Oder die Tinktur in die Körpercreme einrühren und gut durchmischen, fertig!!
1 bis 2 mal täglich wenig einreiben während der zweiten Zyklushälfte oder nach den Wechseljahren mit einer einwöchigen Pause pro Monat.
Bei östrogendominantem Hormonspiegel mit Brustspannen, Aufgedunsenheit, Migräne, Depressionen, Bluthochdruck, Myome und Zysten, Akne, Schmierblutungen, kalte Extremitäten, Zyklusverkürzung.
Rezept von Heide Fischer aus ihrem wunderbaren Frauenheilbuch.
Zu gleichen Teilen getrockneten (noch besser frischen während der Pflücksaison) Frauenmantel oder Silbermantel und Himbeerblätter mischen.
2-3 mal täglich mit einer Dreifingergabe eine Tasse Tee als Aufguss zubereiten, 5 Minuten ziehen lassen, dann absieben.
Etwa ab 4 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin mit dem Tee trinken beginnen.
Dazu täglich 1-2 Esslöffel geschroteter Leinsamen in Joghurt oder Müsli essen, zusammen mit viel Flüssigkeit.
Kräuter fürs Kindbettkissen - Eine alte Tradition
Schon vorchristliche Hebammen verwendeten duftende, antiseptische Kräuter zur Geburt, als Ersatz für die heutige Desinfektion. Mit duftenden, antiseptischen Kräutern wurde der Gebärenden und Kindbetterin ein Lager zubereitet, welches Mutter und Kind vor Krankheit und Dämonen schützen sollte.
Mit der Christianisierung wurden die Schwangerschafts- und Gebärkräuter der Muttergottes, Maria unterstellt, deshalb die Bezeichnungen Maria Bettstroh oder Liebfrauenbettstroh.
Es handelt sich bei den Kindbettkräutern vorwiegend um Wildkräuter.
Ein eigentliches Rezept für die Kissenfüllung gibt es nicht, doch sollte frau ausschließlich stärkende, duftende (ätherische Öle), antiseptische, blutstillende, regulierende, antidepressive Kräuter.
Geeignete Kräuter
* Vor allem Quendel (wilder Thymian)
* Frauenmantel
* Dost (wilder Majoran)
* Johanniskraut
* Labkraut
* Beifuß
* Schafgarbe
* Engelwurz
Die Kräuter liebevoll und bewusst pflücken und fachgerecht trocknen. Vor dem Gebrauch etwas zerkleinern oder verreiben. Mit gleichviel Hirsespreu oder Buchweizenspreu mischen, in ein Kissen aus Naturfasern füllen, etwa in der Größe von 20-25 mal 30-35 cm. Während der Geburt und im Wochenbett der Wöchnerin unter das Becken schieben, durch die gleich bleibende Körpertemperatur entfalten die ätherischen Öle ihre Wirkung.
Ein schwach gehäufter EL Frauenmantelkraut wird mit ¼l Wasser übergossen und bis zum Sieden erhitzt. Dann lässt man an warmen Ort etwa noch 10 bis 15 Minuten ziehen und seiht ab, oder man übergießt 2 TL voll Frauenmantelkraut mit ¼l siedendem Wasser und lässt 10 Minuten lang ausziehen. Innerlich bei Bedarf 1-3 Tassen Tee tgl. trinken. Diesen Tee kann man auch zu den äußerlichen Anwendungen verwenden.
Kräutersalbe zur Be-Hand-lung von Körper und Seele
Zunächst benötigt man etwas Zeit, einen Topf und 2 saubere Schraubgläser. In das eine Glas kommen alle fettlöslichen Salbenbestandteile: 100 ml fettes Öl und je 3 Teelöffel gelbes Bienenwachs sowie etwas gereinigtes Wollwachs. In das andere Glas gibt man die wasserlöslichen Bestandteile: z.B. 10 bis 20 ml Frauenmantelurtinktur. Nun wird das Glas mit dem Öl so lange im Wasserbad erhitzt, bis Bienenwachs und Wollwachs sich vollständig aufgelöst haben. Dann stellt man das Glas mit den Kräutertropfen auch kurz in das Wasserbad, um es ein wenig zu erwärmen. Schließlich mengt frau dem Ölglas noch einige Tropfen ätherische Öle bei (Rosenöl, Lavendel....) ; dies macht die Salbe auch länger haltbar. Zuletzt kippt man den Inhalt beider Gläser zusammen und schüttelt das gut verschlossene und mit einem Küchentuch umwickelte Glas 2 bis 3 Minuten lang so kräftig wie möglich, damit sich die Bestandteile verbinden. Abkühlen und fertig.
Anwendung: Eine Solche Salbe kann bei Erkrankungen der Brust oder der äußeren Genitale hilfreich sein. Um die Heilwirkung zu verstärken, wäre es sinnvoll, der Salbe weitere Heilstoffe beizumengen. Bei Brustknoten wäre eine Mischung aus je 10 ml Alchemilla Urtinktur und Conium D4 Dilutation (Tropfen). Sowie einige Tropfen ätherisches Lavendelöl gut; statt eines Mandelöl könnte hier auch Wildrosenöl als ölige Grundlage dienen.
Bei Brennen und Jucken am Genital wäre eine andere Mischung angebracht: je 10 ml Alchemilla Urtinktur und Walnuß Fluidextract sowie je 3 Tropfen ätherisches Geranium- und Lavendelöl.
Anwendung: Bei Bedarf kann die Salbe 1 bis 3 mal täglich aufgetragen werden. Sie darf grundsätzlich auch so lange angewandt werden, wie nötig oder angenehm.