Gundermann
Volksnamen: Gundelrebe, Erdefeu, Blauhuder, Huder, Gundam, Zieckelkräutchen
„Die Gundelrebe ist mehr warm als kalt, und sie ist trocken, und sie hat gewisse Kräfte der Farbstoffe, weil ihr Grün nützlich ist, so dass ein Mensch, der matt ist und dem die Vernunft entschwindet, mit erwärmten Wasser baden und Gundelrebe in Mus oder in Suppen kochen soll, und er esse sie entweder mit Fleisch oder mit „Chuckeln“, und sie will ihm helfen. Und wer in der Brust und um die Brust Schmerzen hat, wie wenn er innerlich Geschwüre hätte, der lege im Bade gekochte und warme Gundelrebe um seine Brust, und es wird ihm besser gehen“ Hildegard von Bingen
Aufgrund der Saponine und der ätherischen Öle, die das Kraut enthält, wirkt der Gundermann schleimlösend. Angezeigt ist die Heilpflanze bei verschleimten Lungen, Bronchitis, Schnupfen, Rachenkatarrh, Schleimhautentzündungen sowie Ohrklingen, das durch Schleimansammlungen im Mittelohr entsteht. Dazu bereitet man einen Teeaufguß oder, noch besser, man lässt das Kraut in heißer, fetthaltiger Milch ziehen.
Aufgrund der in der Gundelrebe enthaltenen Bitterstoffe (Glechomin) regt Gundermanntee die Verdauungssäfte an und stärkt das Herz und die Leber. Auch Gerbstoffe sind in der Pflanze reichlich vorhanden. Gerbstoffe haben die Eigenschaft, wundes, verletztes, eiterndes, wässriges, gequetschtes, schlecht heilendes Gewebe zu festigen und zu trocknen. Wegen dieser trocknenden, zusammenziehenden Wirkung wird die Gundelrebe in der Volksmedizin auch gerne bei leichten Durchfallerscheinungen angewendet. Auch bei eiternden Zähnen und wundem Zahnfleisch wird der Tee als Mundspülung gebraucht.
Besonders bei eiternden Geschwüren, die nicht heilen wollen, zeigt der Gundermann, was in ihm steckt. „Gund“ ist das altgermanische Wort für Eiter, Beule, faulige Flüssigkeit oder Gift. Als Gundkräuter bezeichneten die Goten, Angelsachsen, Skandinavier und Südgermanen alle Heilpflanzen, mit denen sich die Wundjauche austrocknen ließ.
RezepteMan sammelt die frischen blühenden Stängel, presst sie in ein Glas und stellt sie vier Tage lang in die volle Sonne. Am Boden des Glases sammelt sich eine helle Flüssigkeit. Diese wird abgeseiht und im Kelle oder im Kühlschrank aufbewahrt. Zur Hälfte mit starkem Alkohol, Brandy oder Wodka, gemischt, lässt sich daraus eine Tinktur herstellen, die sich lange hält (nach Susanne Fischer)
1-2 Tl Gundelrebe werden mit ¼ l kochendem Wasser übergossen und 5 min ausgezogen. Nach dem Abseihen gibt man bei Bedarf 1 Tasse oder zur Kur 2x tgl 1 Tasse.
Aufgrund der Signaturlehre ist der Gundermann ein gutes Mittel bei urogenitalen Beschwerden. Der Gundermanntee oder eine Milchabkochung wirkt entzündungshemmend, harntreibend und reizmildernd bei Reizblase und Nierenerkrankungen. Ein kräftiger gebrauter Gundermanntee soll auch bei Blasen- und Nierensteinen.
Der Gundermann weist noch eine weitere, im Zeitalter der autoabgasverpesteten Luft wichtige Eigenschaften auf: Als Tee zubereitet oder als Salatbeigabe fördert die Pflanze die Bleiausschwemmung aus dem Körper. Büchsenmacher und Maler verwendeten sie traditionell dazu.
Weiterer Bestandteil des Erdefeus sind Vitamin C, verschiedene Mineralien (vor allem Kalium) und einige organische Säuren.
Frischen Gundermann, Brennnesseltriebe, Melde, Giersch, Taubnessel, Gänseblümchen, Wegerich und andere Kräuter zu gleichen Teilen mit einer fein geschnittenen Zwiebel in Fett oder Butterschmalz andünsten, dann mit Wasser oder Brühe aufgießen. Nach Belieben mit Sojasauce, Maggi oder anderen Gewürzen abschmecken.
Frische Gundelreben fein zerhacken und aufs Butterbrot streuen. Eventuell mit anderen Kräutern (Schnittlauch, Geissfuß, Petersilie, Gänseblümchen, Thymian, Borretsch u.a.) mischen.
Kartoffeln kochen und passieren. Speck, Karotte und Zwiebel dazugeben und weiterkochen lassen. Anschließend würzen und eine große Prise zerkleinerte Gundermannblätter hinein geben.
Gundermannschnupftabak (Altes englisches Rezept)
Die Gundelrebenblätter werden im Schatten sorgfältig getrocknet (nicht im Backofen, da sie dadurch ihre ätherischen Öle einbüßen) und zu einem feinen Pulver zerreiben. Bei dumpfen, lang anhaltenden Kopfschmerzen soll eine in die Nase gezogene Prise davon eine gute Wirkung haben.
Für ein sehr schönes Gesichtswasser kocht man eine Handvoll Gundermann in 500 ml Wasser zu einem Tee, lässt ihn erkalten und seiht ihn ab.