Kleines Immergrün                            leicht giftig

lat. Bezeichnung: Vinca minor

Familie: Hundsgiftgewächse (Apocynaceae)

Volksnamen: Dauergrün, Ewiggrün, Jungfernkraut, kleines Immergrün, Pervinca, Sinngrün, Totengrün, Jungfernkranz, Jungfernkrone, Totenviole

Inhaltsstoffe: über 40 verschiedene Alkaloide (Vincamin, Vincin), Bitterstoffe, Tannine

Wirkung: Beruhigend, Blutdrucksenkend, Blutstillend, Durchblutungssteigernd, Schlaffördernd, Wassertreibend, adstringierend,
antibakteriell, entzündungshemmend, krampflösend, schleimlösend, tonisierend
Anwendung: Zahnschmerzen, Durchfall, Nervöse Beschwerden, Husten, Keuchhusten, Mandelentzündung, Verdauungsschwäche, Magenentzündung, Magenschwäche, Leukämie, Menstruations fördernd, Nasenbluten, Wunden, Furunkel, Rheuma, Kreislaufprobleme, Herzschwäche, Bluthochdruck

"Das Kleine Immergrün ist in allen Teilen giftig. Es enthält mehr als 40 Alkaloide. Hauptwirkstoffe sind Vincamin und Eburnamenin. Als Heilpflanze hat das Kleine Immergrün eine interessante Geschichte: Es wurde früher zur Behandlung zahlreicher Krankheiten eingesetzt, aber 1987 hat das Bundesgesundheitsamt die Zulassung für alle immergrünhaltigen Präparate widerrufen. Im Tierversuch zeigten sich nämlich Blutschäden, die nicht auf die Hauptalkaloide, sondern auf Begleitkomponenten zurückzuführen sind. Von diesem Verbot nicht betroffen sind Vincamin-Fertigpräparate und homöopathische Präparate. Sie werden bei zerebralen Durchblutungsstörungen eingesetzt."

http://de.wikipedia.org/wiki/Kleines_Immergr%C3%BCn

Schon in der Antike wurde das Immergrün zu medizinischen Zwecken genutzt. Man gab es bei Bauch- unter Unterleibs-Schmerzen und zur Erleichterung bei der Geburt. Im Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein verwendete man die getrockneten Triebe zur Blutreinigung und Blutbildung. Man hielt es damals auch für blutstillend und Wasser treibend.

Seine ganz spezielle Wirkung wurde aber erst 1961 bei einer genaueren Untersuchung der Wirkstoffe erkannt. Aus "Vinca minor" gewann man das Vincamin. Dieser Stoff regt die Durchblutung des Gehirns an und beeinflusst auf diese Weise besonders die Augen- und Ohren-Funktionen.

Außerdem hilft es bei Schwindelanfällen, die von einer schlechten Durchblutung des Gehirns ausgelöst werden. So werden Immergrün-Präparate heute hauptsächlich - meist in homöopathischer Form - eingesetzt bei Sehstörungen, Nachtblindheit, überanstrengten Augen, Schwerhörigkeit und Schwindelanfällen.

Da das Vincamin auch die Zellteilung hemmt, die Zahl der weißen Blutkörperchen senkt und dem Blut zu verstärkter Sauerstoffaufnahme verhilft, setzt man es seit einiger Zeit auch zur Bekämpfung bestimmter Krebsarten ein.

Gesammelt werden die aufrecht stehenden Triebe des "Vinca minor" zwischen März und Mai. Wie viele Heilpflanzen kann sich auch beim Immergrün die heilende Wirkung umkehren. Bei Überdosierung kann es aufgrund der Alkaloide zu Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall, Hautjucken und Magen/Darmstörungen kommen. Deshalb sollte man die Pflanze dem Fachmann überlassen und die Dosierung von Immergrün-Präparaten mit dem Arzt absprechen.

äußerliche Anwendung

Aus einem Esslöffel Kraut und einem Liter Wasser einen Aufguss zubereiten. Den kann man äußerlich für Kompressen verwenden. Besonders günstig soll sich eine kühle Auflage auf ermüdete Augen auswirken.

Geschichtliches

Tatsächlich galt das Immergrün schon immer als Symbol des ewigen Lebens, weil es eben auch im Winter weiterlebt und grün bleibt. Daher bekränzte man seine Verstorbenen früher mit der Pflanze als Symbol für ein ewiges Leben. Nach wie vor wird es oft auf Friedhöfen angepflanzt, zumal sich der Bodendecker gut für dunkle Ecken eignet und mit seinen langen Ausläufern schnell große Flächen bedeckt.

Wie um viele unserer alten Heilpflanzen ranken sich auch um das Immergrün einige Geschichten. Schon den Namen kann man als viel versprechendes Omen deuten:  "Vinca" kommt nämlich von dem lateinischen Wort "vincere" = "siegen", und heißt also die Siegreiche.

Im Frühjahr vor Tagesanbruch gesammelt, sollte die "Siegreiche" das Haus vor bösen Geistern und angezauberten Krankheiten schützen. Auch das Vieh sollte gesund bleiben, wenn man ihm am Karfreitag früh etwas davon ins Futter mischte.

Die zarten blauvioletten Blüten, die ab Mai herum erscheinen, gelten zudem - auch heute noch - als Sinnbild der Treue. Brautpaare, die am Hochzeitstag miteinander ein paar Immergrün-Blätter essen, sollen dadurch enger miteinander verbunden werden, so dass der böse Streitteufel keine Gewalt über sie gewinnen kann.

Auch als Orakelpflanze wurde das Immergrün von den Hexen genutzt. Wenn man beispielsweise Immergrünblätter ins Wasser wirft und zwei Blätter schwimmen zusammen, heißt dies, das eine Hochzeit in Sicht ist. Wenn man Silvester ein Blatt ins Wasser legt und dieses  über Nacht grün bleibt, dann bedeutet das Gesundheit fürs ganze Jahr. Wird es dagegen fleckig, sieht es um das Wohlergehen weniger gut bestellt aus.
Sogar einen Bösewicht sollte man so entlarven können. Indem man unter Nennung des Namens ein Immergrünblatt in die Pfanne warf. Blieb das Blatt in der Pfanne, war der Arme unschuldig; sprang es heraus, war er schuldig und der Übeltäter gefunden.