Johanniskraut

lat. Bezeichnung: Hypericum perfolatum

 

Volksnamen: Blutkraut, Hartheu, Jesuwundenkraut, Johannisblut, Wundkraut, Konradskraut, Liebfrauenstroh, Herrgottswundenkraut

Verwendete Pflanzenteile: das blühende Kraut, Blüten

Inhaltsstoffe: Hypericin, Gerbstoffe, ätherisches Öl, Harz

Sammelzeit: Ende Juni bis September, kurz über dem Boden abschneiden und in Bündeln an der Luft trocknen

Wirkungsweise: nervenberuhigend, antidepressiv, entzündungshemmend, reizlindernd, wundheilend, kreislaufanregend, menstruationsfördernd, schmerzlindernd

Verwendung: psychoaktive Störungen, depressive Verstimmungen, Bettnässen, Magen-Darm-Katarrh, Bronchialkatarrhe, Kreislaufstörungen, Menstruationsstörungen, schlecht heilende Wunden, Verbrennungen, Nervenverletzungen

 

Aberglaube

Johanniskräuter sind rein weißmagische Pflanzen, und bekanntestes Mittel zum Schutz gegen Blitz und Hagel und Zauberei. Dient auch zum Durchschauen schwarzmagischen Blendwerks und wächst auf guten, segensreichen Plätzen.

Die Johanniskräuter (Hypericum) sind eine Gattung innerhalb der Johanniskrautgewächse. Mit den Pflanzen dieser Gattung sind viele Bräuche verbunden, darunter besondere Riten mit dem Johannistag am 24. Juni, um den herum es zu blühen anfängt.

 

Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird als Heilpflanze gegen Stimmungsschwankungen, Nervosität und leichte bis mittelschwere Depressionen eingesetzt. Die Wirksamkeit ist in zahlreichen Studien schulmedizinisch belegt.

Wie chemisch-synthetische Antidepressiva zeigen auch Johanniskraut-Arzneimittel eine gewisse Wirklatenz, d.h. man spürt erst nach mehreren Wochen der Einnahme eine Verbesserung der depressiven Symptome. Johanniskraut-Arzneimittel sind jedoch besser verträglich als chemische Antidepressiva, da unerwünschte Nebenwirkungen sehr selten auftreten. So kann Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen (Sonnenbrandneigung, Sonnenallergie), vor allem bei Blutgruppe 0. Eventuell können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten. So wird immer wieder behauptet, dass Johanniskraut die Wirkung der Anti-Baby-Pille beeinträchtigt, was aber umstritten ist. Vor der Einnahme ist eine Beratung durch Arzt oder Apotheker empfehlenswert.

 

 

Rezepte

Anwendung

Bei Katarrhen der Verdauungsorgane kann das Johanniskraut als Tee oder Öl eingenommen werden.

Das Öl hilft auch bei Muskelschmerzen, leichten Verbrennungen, infizierten Wunden, Geschwüren und Neuralgien, kann aber auch innerlich als leicht galletreibendes Mittel oder zur Beruhigung des nervös überreizten Magens angewandt werden. 2mal tgl. einen TL Johanniskrautöl ist die richtige Dosierung.

 

Tee

2 gehäufte Teelöffel Johanniskraut mit ¼ l Wasser übergießen und bis zum Sieden erhitzen. Nach wenigen Minuten seiht man ab. 2-3 mal täglich 1 Tasse Tee ist die richtige Dosierung. Eine Kur mit diesem Tee sollte über mehrere Wochen konsequent durchgeführt werden

 

Öl

Man braucht das Kraut, wenn die Blüten gerade erst aufgegangen sind. Für ½ l Öl sollten es 25g frische Blüten sein. Die frischen Blüten werden zerquetscht oder in einem Mörser zerstoßen und etwas zerrieben. Dann setzt man 500 ml Olivenöl zu, mischt das Ganze und füllte es in eine geräumige Weithalsflasche aus weißem Glas, die zunächst unverschlossen bleibt. An einem warmen Ort überlässt man die Mischung  - unter gelegentlichem Umrühren – der Gärung. Wenn sie nach 3-5 Tagen beendet ist, wird die Flasche verschlossen und solange dem Sonnenlicht ausgesetzt, bis der Inhalt eine leuchtend rote Farbe angenommen hat. Das ist ungefähr nach 6 Wochen der Fall. Dann wird das Öl abgepresst, das Öl von der wässrigen Schicht abgegossen und in gut schließenden Flaschen aufbewahrt.

 

Tinktur

10g getrocknetes Johanniskraut wird mit 50g Alkohol (70%) übergossen und 10 Tage lang ausgezogen. Nach dem Abpressen ist die Tinktur gebrauchsfertig

 

Die aphrodisische Wirkung des Tees (10 g pro 1 l Wasser) oder des Johanniskrautweins (20 g der ganzen Pflanzen oder getrockneter Blüten in 1 l trockenen Weißwein eingelegt) entsteht durch das darin enthaltene Tannin, dass das  Nervensystem, insbesondere im Genitalbereich, anregt.

 

Achtung!

Johanniskraut macht empfindlich gegen Sonneneinstrahlung. Nicht vor Sonnenbädern, egal wo, ob am Strand, im Solarium oder Höhensonnen einnehmen oder einreiben.

 

Die Wirkung mancher Medikamente, vor allem immunsuppressive Medikamente wird durch Johanniskraut abgeschwächt.

 

Kompressen des Hypericum-Krauts wirken wundheilend und antiseptisch. Auch das rote Johannisöl zeigt eine hervorragende Heilwirkung bei allen Wunden, Quetschungen und Hautschürfungen. Bei Verbrennungen und Verbrühungen leistet es gute Dienste. Nur - das muß hervorgehoben werden - darf man es nicht als Sonnenöl zur Bräunung verwenden, sonst wird es einem ergehen wie denn zuvor erwähnten hellhäutigen Weidevieh. Einige Tropfen, innerlich genommen, sollen Gastritis und Magengeschwüre heilen. Auf jeden Fall wird es die Galle anregen.

Das rote Öl gehört in jede Hausapotheke. Es wirkt, wenn einmassiert, sehr gut bei Neuralgien und Nervenentzündungen, Hexenschuss und Ischias. Man kann das Johannisöl leicht selber herstellen.. An einem trockenen, sonnigen Sommertag sammelt man die Blüten und Blütenknospen, füllt sie in ein helles Glas, übergießt sie bis zurr Rand mit Sonnenblumen- oder Olivenöl, schraubt das Glas fest zu und lässt alles zwei Wochen in der Sonne ziehen. Allmählich färbt sich das Öl burgunderrot. Es wird abgeseiht und in einer dunklen Fasche an einem dunklen Ort aufbewahrt.

Auch für Tee eignet es sich. Johanniskraut, das mit dem Schwarztee nah verwandt ist, ist angenehm im Geschmack. Da dieser Aufguss nicht harntreibend wirkt kann man problemlos vor dem Schlafengehen ein Tässchen trinken. Das ist besonders in den dunklen Wintertagen, wenn der Lichtmangel die Stimmung drückt, zu empfehlen. Dieser Tee wirkt als Tranquilizer im limbischen System. (WEISS 1991:35)“

Ch. Rätsch: Hexenmedizin

 

Besonders, gut wirkt der Johanniskrauttee bei bettnässenden Kindern. Bein Bettnässen handelt es sich nicht um eine Erkrankung der Harnorgane, es ist vor allem Seelisch bedingt. Gerade in solchen Fällen ist eine psychotrope Heilpflanze angesagt.