Kamille

wissenschaftlicher Name: Matricaria chamomilla

 

volkstümliche Namen: Apfelkraut, Apfelblümlein, Ganille, Garnille, Gramillen, Haugenblume, Helmergen, Helmriegen, Hermel, Hermelin, Herminzel, Kamelle, Kammerblume, Kühmelle, Kummerblume, Laugenblume, Mägdeblume, Mariamagdalenakraut, Muskatblume, Mutterkraut, Remi, Romerei

 

Die Kamille ist eine der aller beliebtesten Heilpflanzen in Europa. Zu Recht verwenden viele Großmütter die Kamille für alle Arten von Beschwerden, denn sie kann als wahrer Tausendsassa eingesetzt werden.

Leider ist sie in der freien Natur kaum noch anzutreffen, weil sie die Nähe von Getreide liebt, dort aber bekämpft wird.

Als Ausgleich dafür kann man sie aber in jedem Supermarkt zumindest als Beuteltee kaufen.

Die Kamille ist so bekannt, dass wohl jeder ihren typischen Duft kennt.

 

Pflanzenbeschreibung

Ursprünglich kommt die Kamille aus Süd- und Osteuropa, aber sie ist schon lange auch in Mitteleuropa heimisch. In vielen Ländern wird sie angebaut, weil ihre Blüten überall als Kräutertee begehrt sind. Ein besonders wichtiges Anbauland ist Frankreich.

Die Kamille ist anspruchslos was Boden und Nährstoffe angeht. Sie wächst gerne auf brachliegenden Feldern und am Wegrand. Im Garten kann man sie an sonniger Stelle anbauen.

Die einjährige Pflanze wird 10-50 groß und hat einen runden, glatten aufrechten Stängel, der sich stark verzweigt.

Die gefiederten Blätter sind grüngelb.

Die Blüten sind goldgelbe Röhrenblüten mit hellweißen Zungenblüten. Sie erscheinen in warmen Gegenden schon ab Ende Mai, sonst eher ab Juni.

Der Blütenboden wölbt sich stark nach oben, dadurch erhält die Kamillenblüte ihre prägnante Form.

Die Kamille duftet ausgeprägt.

 

Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl, Azulen, Chamazulen, Apiin, Bitterstoffe, Flavone, Gerbstoff, Gerbsäure, Harz, Cumarin, Borneol, Werg, Farnesol, Herniarin, Hyperosid, Oleanolsäure, Salicylate, Salizylsäure, Schwefel, Thujon, Umbelliferon, Schwefel, Kalzium

Heilwirkung: antibakteriell, austrocknend, beruhigend, blutreinigend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend, schmerzlindernd, schweißtreibend, tonisierend

Verwendete Pflanzenteile: Blüten

Sammelzeit: Mai - Juli bei Sonnenschein

 

Anwendung

Die Wirkung der Kamille ist sehr vielfältig. Sie wirkt gegen Krämpfe und Entzündungen, beruhigend, austrocknend, blähungswidrig und wund heilend.

Eingesetzt wird sie als  Tee oder Tinktur

Kamillen-Tinktur

Schon unsere Großmütter wussten, dass die Kamille eine ganz besonders vielseitige und wirksame Heilpflanze ist.

Wenn man keine andere Heilpflanze zur Verfügung hat, kann man doch mit der Kamille allein die meisten Gesundheitsbeschwerden des Alltags behandeln und lindern.

Die Kamille wirkt sowohl innerlich als auch äußerlich angewandt gegen eine Vielzahl von Krankheiten. Das erreicht sie unter anderem durch ihre antibakteriellen und entzündungshemmenden Fähigkeiten. Auch krampflösend und beruhigend wirkt die Kamille.

Leider wirkt die Kamille austrocknend auf die Haut, so dass man sie bei trockener Haut nicht hemmungslos anwenden darf. Der austrocknende Effekt lässt sich jedoch mit einer fetthaltigen Creme ausgleichen.

 

Innerlich

Innerlich ist das Haupteinsatzgebiet der Kamille der Magen- Darmbereich, insbesondere bei Entzündungen und/oder Krämpfen. Aber auch bei den vielen anderen Beschwerden kann die Kamille hilfreich sein.

Verdauungsbeschwerden

Ein Kamillentee lindert die Bauchschmerzen von kleinen Kindern und Erwachsenen. Bei einem verdorbenem Magen kann ein schluckweise getrunkener Kamillentee kleine Wunder vollbringen. Die Kamille entkrampft nicht nur, sondern sie wirkt auch antibakteriell. Dies macht eventuell mit der Nahrung aufgenommenen Krankheitserregern das Leben schwer. Kamillentee ist gleichfalls hilfreich gegen Durchfall, aber auch gegen Verstopfung. Auch gegen Magengeschwüre kann man versuchsweise Kamillentee in kleinen Schlucken zu sich nehmen.

Blähungs-Teemischung

Diese Teemischung ist bewährt bei Blähungen (Meteorismus).

Da die enthaltenen Kräuter freundlich schmecken, ist der Tee auch für Kinder. So kann ihn bei all den leichten Bauchbeschwerden von Kindern anwenden.

Anis und Fenchel wirken durch ihre ätherischen Öle stark blähungswidrig. Die Kamille wirkt vor allem schmerzlindernd und falls Bakterien mit im Spiel sein sollten, auch antibakteriell. Aber vorrangig entkrampft sie den Darm.

Zutaten:

Anleitung:

 

Carminativum

Ein Karminativum ist eine Kräutertinktur, die aus blähungswidrigen Kräutern besteht und die Blähungen lindern kann.

Man kann die Tinktur bei akuten Blähungen stündlich einnehmen und vorbeugend vor schweren Mahlzeiten. Sie schmeckt würzig nach Anis und Fenchel und leicht süß. Pro Einnahme etwa 50 Tropfen.

Für Kinder ab dem Schulalter sollte man nur etwa 20 Tropfen verwenden und die Tinktur in einen Kräutertee, beispielsweise Fencheltee tropfen. Für kleinere Kinder sollte man die Tinktur nicht verwenden, aufgrund des Alkohol-Gehaltes.

Zutaten

Anleitung

Kamillenwein:
Für einen Kamillenwein nimmt man ungefähr 50 g Blüten, setzt diese in 1 l trockenem Weißwein an. Nach 10 Tagen kann man den Wein abseihenabseihen.
 

Harnwege

Auch leichte Nierenschwäche und Blasenbeschwerden können durch Kamille gelindert werden. Die Kamille entkrampft die Harnorgane, wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und fördert die Harnproduktion. Hierbei einfach dreimal täglich eine Tasse Kamillentee trinken, bis die Beschwerden weg sind.

Stoffwechsel

Die Kamille reinigt durch ihre harntreibende und antibakterielle Wirkung das Blut und hilft dem Körper schädliche Stoffe (z.B. Harnsäure) auszuscheiden. So erklärt sich auch ihr Einsatz bei vielen anderen Erkrankungen wie bei rheumatischen Erkrankungen und Gicht. Auch in diesem Fall trinkt man dreimal täglich eine Tasse Kamillentee

Nervensystem

Die beruhigende und entkrampfende Wirkung der Kamille hilft bei nervösen Beschwerden und Schlaflosigkeit. Auch neuralgische Schmerzen wie bei einem Ischias oder Hexenschuss können durch die Kamille gelindert werden. Bei Bedarf eine Tasse Kamillentee im Wechsel mit Johanniskrauttee trinken.

Atemwegserkrankungen

Auch bei vielen Erkrankungen der Atemwege kann die Kamille eingesetzt werden. Das beginnt bei der normalen Erkältung mit Schnupfen in Form eines Dampfbades, geht über zu den  Halsschmerzen und endet noch nicht bei der Nebenhöhlenentzündung oder Angina. Einfach dreimal täglich eine Tasse Kamillentee trinken, bis Beschwerdefreiheit erreicht ist. Zur Verbesserung des Geschmackes kann man den Tee auch mit Honig süßen, vor allem wenn auch Husten vorliegt.

Dampfbad gegen Nebenhöhlenentzündung und unreine Haut

Ein Kamillen-Dampfbad hilft bei Stirnhöhlenentzündungen, verstopfter Nase, aber auch bei unreiner Haut und Akne.

Bei Stirnhöhlenbeschwerden hat sich eine Kombination aus Kamille, Salbei und Thymian bewährt. Man mischt diese drei Kräuter zu gleichen Teilen und geht dann wie oben beschrieben vor.

Frauenbeschwerden

Als Tee getrunken ist die  Kamille gegen Menstruationskrämpfe, zu spät einsetzende Menstruation und zu wenig Milchbildung in der Stillzeit (zusammen mit Anis) sehr hilfreich.

Bei Scheidenentzündungen, wie beispielsweise Weißfluss verwenden, kann man Sitzbäder in Kamillentee machen. Diese wirken auch hilfreich bei Menstruationskrämpfen und verschiedenen Arten von Unterleibsentzündungen.

Gurgeln und Spülen bei Mundentzündungen

Bei Entzündungen im Mundraum, wie z.B. bei Zahnfleischentzündungen, aber auch bei Halsschmerzen kann man mit Kamillentee oder verdünnter Kamillentinktur gurgeln und/oder spülen.

Auch Zahnschmerzen können durch Kamillespülungen gelindert werden.  Nur erzielt man dauerhaft keinen Erfolg, so dass der Weg einem doch zum Zahnarzt führt.

 

Äußerlich

Bei der Anwendung der Kamille bei der Wundheilung muss unbedingt beachtet werden, dass sie eine stark austrocknende Wirkung hat, die nicht in allen Fällen erwünscht ist (z.B. bei besonders trockener Haut) und zu Problemen führen kann.

Auch haben einige Allergiker Probleme mit Kamille, weil sie die Haut  reizt.

Ansonsten kann man die Kamille als Tinktur oder Salbe auftragen oder als Bad (z.B. Sitzbad) oder Kompresse in Teeform wirken.

 

Kamillen-Zink-Creme

Die Kamillen-Zink-Creme ist eine feste, zähe Creme, die auf der Haut einen ausgeprägten Schutzfilm hinterlässt, aber die Haut auch stark austrocknet. Sie ist daher eher für feuchte bis nässende Hauterkrankungen zu empfehlen.

Zutaten

Anleitung

 

Blüten-Milch-Creme

Zutaten

Anleitung

 

Merke! Nie Kamille direkt in die Augen!!!!

Die feinen Härchen der Kamillenblüten reizen die Augen ganz stark, auch wenn wenn man Tee abseiht, da die Härchen die normalen Siebe durchdringen.