Lat. Bezeichnung: Lavendula angustifolia
Volksnamen: Deutsche Narde, Schwindelkraut, Speik, Spike, Spiklavendel, Zöpflikraut
Verwendete Pflanzenteile: Blüten
Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl (aus Linalylacetat, Linalool, Campher und Cineol), Cumarin, Gerbstoff, Ocimen, α-Phellandren, α-Pinen, Octenol, Geraniol, Nerol, Linalool, Cuminalkohol, Borneol, Citronellal, Citral, Zimtaldehyd, Octanon, Diacetyl, o-Cumarsäure, Herniarin, Bisabolen, Cedren, Caryophyllen und Caryophyllenoxyd.
Sammelzeit: Juli/August, Als Sammelgut dienen die vor der vollständigen Entfaltung gesammelten Lavendelblüten mit Kelch. Medizinisch und kosmetisch werden die Einzelblüten oder die Blütenstände verwendet. Die Trocknung sollte möglichst schnell im Schatten erfolgen.
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) ist eine Pflanzenart, die zu den Lippenblütlern (Lamiaceae) gehört. Er wird für die Parfümindustrie, als Heilkraut und als Zierpflanze verwendet.
Die aufrechten Zweige des Lavendels sind grün und vierkantig und erreichen eine Höhe von etwa 75 cm. Sie tragen gegenständige Blätter mit ganzem, nach unten eingerolltem Rand. Ihre äußerst schmale, lanzettliche Form hat der Art den Namen (angustifolie = schmalblättrig) verliehen. In den Monaten Juni bis September erscheinen endständige, tiefblaue Blüten, die in 6-bis 10 blütigen Scheinähren angeordnet sind. Ihre etwa 10 mm lange Blumenkrone ist zweilippig mit zweilappiger, größerer Ober- und dreilappiger, kleinerer Unterlippe; der röhrige, dicht behaarte Kelch ist ungleich fünfzähnig. Zwei größere und zwei kleinere Staubblätter tragen je einen einfächerigen, mit einem Längsriß aufspringenden Staubbeutel.
Lavendel (frz. lavande, engl. lavender) hat lanzettliche, graugrüne Blättchen, die unten weißfilzig behaart sind und sich am Rande leicht einrollen. Die sechs bis zehn violetten Blüten, die für beruhigende Kräutertees und in Duftkissen und Potpourris verwendet werden, stehen in Scheinquirlen. Der Strauch kann bis zu einem Meter hoch werden.
Kleine Lavendelsäckchen werden häufig in Kleiderkästen gelegt, wo sie angenehm duften und vor Motten schützen. Des Weiteren wird aus den Blüten Lavendelöl hergestellt, durch Schleppdestillation oder indem man Blüten beispielsweise in Olivenöl ansetzt. Lavendel ist für seine antiseptische und beruhigende Wirkung bekannt. Anwendungsgebiete bei innerlicher Anwendung sind Unruhezustände, Einschlafstörungen und Oberbauchbeschwerden wie Reizmagen oder nervöse Darmbeschwerden. Lavendelbäder erfrischen bei niedrigem Blutdruck und helfen bei Einschlafstörungen.
Hauptanbaugebiet für Lavendel ist Großbritannien, Lavendel ist aber auch die charakteristische Pflanze der Hoch-Provence.
Häufiger noch als der Echte Lavendel wird in der Provence der Lavandin angebaut, eine natürliche Hybride von Echtem Lavendel und Speik-Lavendel (Lavandula latifolia). Man findet ihn sehr häufig als Basis für preiswerte Essenzen und Öle. Der Duft ist aber schwächer als bei den Produkten aus echtem Lavendel.
Geschichte: Die Anwendung des Lavendels lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Bereits die Römer setzten ihrem Bad Lavendelblüten zu, um es wohlriechend zu machen, und es wird angenommen, dass sein Gattungsname vom Lateinischen "lavere" (= waschen) hergeleitet ist.
Verbreitung der Art, Vorkommen: Lavandula angustifolia, Echter oder Schmalblättriger Lavendel ist ein im westlichen Mittelmeergebiet, Südfrankreich und Ungarn heimischer, immergrüner Halbstrauch. Er liebt trockenen und kalkhaltigen Boden; in seiner Heimat ist er auf kalkigen Gebirgshängen anzutreffen.
Die Blüten liefern ein farbloses oder schwach gelbliches, stark und angenehm duftendes, ätherisches Öl, zu dessen Gewinnung der Lavendel in vielen Teilen Europas, besonders aber in Südfrankreich und Ungarn, kultiviert wird. Das Öl ist zu 0,5 bis 1,0% in den frischen, zu 1,0 bis 3,0% in den getrockneten Blüten enthalten und hat über 40 identifizierte Komponenten.
Wirkungsweise: Blähungswidrig, Galle treibend, krampflösend, harntreibend, nervenberuhigend, antiseptisch
Verwendung: Magen-Darm-Katarrh, Darmkoliken, Blähungen, Asthma, Keuchhusten, Bronchitis, grippale Infekte, Grippe, Ödeme, Migräne, Unruhe, Nervosität, Nervenschwäche, entzündete Wunden, Insektenbisse, Insektenstiche
Medizinische Verwendung: Die Volksmedizin wendet ihn seit alter Zeit als Sedativum bei allgemeinen Erregungszuständen, als Einreibungsmittel bei Neuralgien, Rheuma und Gicht sowie als verdauungsfördernde Droge an. Sie setzt ihn ferner ein in Form von Umschlägen bei Wunden und Schwellungen, als krampflösendes Mittel sowie als Karminativum und Diuretikum.
Rezepte
Lavendelblüten 20g
Pfefferminzblätter 20g
Baldrianwurzel 20g
Fieberkleeblätter 40g
1 Esslöffel dieser Mischung mit 1 Tasse kochendem Wasser als Aufguss zubereitet. Man trinkt von diesem Tee 3 mal 1 Tasse.
50 – 60g Lavendelblüten werden mit 1l Wasser übergossen, zum Sieden erhitzt und nach 10 Minuten abgeseiht. Die Flüssigkeit wird dem Vollbad zugesetzt. (Bekommt Menschen mit zu niedrigem Blutdruck sehr gut)
Lavendelblüten, Hopfen und Melisse zu gleichen Teilen mischen und in ein kleines Leinensäckchen füllen.
Lavendelpotpourri
50 g Lavendelblüten in Aroma verschlossener Dose mit 6,5 ml Fläschchen Lavendelöl zum Auffrischen des Duftes oder 35 g Rosenblüten in Aroma verschlossener Dose m. 6,5 ml Fläschchen mit Rosenduft zum Auffrischen. Zur Dekoration in einer Schale
Hildegard von Bingen empfahl "Lavendelwein" bei Lungenbeschwerden:
"Wer Lavendel mit Wein oder, wenn er keinen Wein hat, mit Honig und Wasser kocht und oft lauwarm trinkt, der mildert den Schmerz in der Leber und in der Lunge und die Dämpfigkeit seiner Brust."
Ein alternatives Heilmittel ist der Lavendelspiritus, welcher sich zu entspannenden Einreibungen oder aromatischen Waschungen des Körpers bestens eignet: Man gibt dazu 1 Teil Lavendelblüten auf 3 Teile Alkohol und 3 Teile Wasser. 2 Tage in der Sonne stehen lassen und dann filtrieren. Eine Handvoll Blüten mit 1/4 l heißem Wasser übergießen und dem Fußbad zugegeben hilft bei Schweißfüßen.
Im "Gart der Gesundheit" (1485) wird Lavendel zwar als Muttergottespflanze" bezeichnet, welche "kuscheyt brenget", also unkeusche Gelüste beseitigt, trotzdem war der Lavendel als Liebespflanze bekannt. Er ist das Symbol für ein geheimes Einverständnis in der Liebe. Früher fand man den Duft als hilfreich gegen Liebeskummer und weltweit bekannt als aphrodisierender Tee, parfümierten sich früher Prostituierte mit Lavendelwasser, um die Männer anzuziehen. Bis in 19.Jhdt. nahmen arme provenzialische Mädchen vor der Hochzeit ein Bad in Lavendel. Wenn sie schon keinen Lavendelacker mit in die Ehe brachten, wollten sie wenigsten so riechen....
Beuchert berichtet, dass Ludwig XIV, wenn er eine Dame begehrte, ihr in Ambra getränkten Lavendel-Ähren schicken ließ. War sie geneigt, seinen Wünschen zu folgen, schob sie im Angesicht des Königs eine dieser Ähren in den Mund.
Das Schreibpapier für einen Liebesbrief mit Lavendelblüten eingerieben erfüllt angeblich alle Wünsche des Briefes und mit Lavendel parfümierter Wäsche soll widerspenstige Männer gefügig machen (ob man dran glaubt oder nicht, jedenfalls aromatisiert er die Wäsche angenehm!).
Unters Kissen des Liebsten gesteckt weckt Lavendel romantische Gefühle - und die Leidenschaft weckt er als erfrischender Badezusatz.
Liebeszaubertrank nach Glisic
1 /2 Teel. gemahlener Lavendelblüten, 1/2 Vanillestande, 2 Gewürznelken, 1 Zimtstange in einen Topf geben und mit kochendem Wasser übergießen, 15 Min. ziehen ziehen lassen, abseihen und 12 l Rotwein dazugeben. Schmeckt heiß oder kalt.
Verwendung als Genussmittel:
Als Gewürz eignen sich die zarten, vor der Blüte geernteten Blättchen und gelegentlich auch die frischen Blüten. In der Likörindustrie werden sie bei feinen Kräuterlikören verwendet.