Lungenkraut

Lat. Bezeichnung: Pulmonaria officinalis

 

Volksnamen; Bachkraut, Lungenwurz, Hirschkohl, Blaue Schlüsselblume 

 

Familie: Rauhblattgewächse (Boraginazeen)

 

Verwendete Teile: Gestielte Grundblätter

Sammelzeit: März-September

Inhaltsstoffe: Schleim, Kieselsäure, Gerbstoff, Saponin

Wirkungsweise: Schleim lösend, Auswurf fördernd, zusammenziehend, durchfallwidrig, leicht harntreibend, blutstillend, erweichend, Schweiß treibend

Verwendung: Katarrhe der Luftwege, Lungenleiden, Durchfall, Hämorrhoiden

 

Das Lungenkraut zählt zu den Marienpflanzen, ist auch von Legenden umwoben. Wie die weißen Streifen in der Mariendistel sollen auch die weißen Flecken auf den Grundblättern der Legende nach entstanden sein, als Muttermilch der Muttergottes beim Stillen des Jesuskindes darauf tropfte. Soll bei Lungenschmerzen genommen werden. Wörtlich heißt es bei der heiligen Hildegard von Bingen: Bei Lungenschmerzen "Lungenkraut nehmen und mit Wasser kochen ... das so Gekochte in einen Topf füllen und durch ein Sieb seihen und im Laufe der Woche trinken".

Ein anderes Mal wird die Heilpflanze benötigt, "damit der Mensch Sinnenlust und fleischliches Begehren bei sich zum Erlöschen bringe". Im Mittelalter wurde die Pflanze bei schweren Erkrankungen der Lunge eingesetzt. Dafür gibt es jedoch keine pharmakologische Begründung.

Gerbstoffe der Pflanze wirken stopfend. Der Saponingehalt ist jedoch sehr gering, so dass Lungenkraut bei Lungenkrankheiten im weiteren Sinne (etwa Husten) auch nur geringfügig wirken kann. R.F. Weiß schreibt in seinem Lehrbuch der Phytotherapie: "Trotz seiner alten Wertschätzung können wir ihm keine erhebliche praktische Bedeutung zuerkennen, wenigstens nicht als Auswurf förderndes Mittel." Lungenkraut ist aber Bestandteil zahlreicher Präparate gegen katarrhalische Bronchialerkrankungen, akute und chronische Bronchitis, Heiserkeit, Reizhusten, Zugabemittel bei Asthma und Grippe.

 

„Gar manch achtsamer Kräuterkenner schreibet diesem Pflänzlein große Kraft zu wider Lungenschwärungen, so auch ich es oftmals zu großem Nutz und Frommen wider das Blutspucken ordinieret habe... hülfreich ist das Kraut allzumal wider die Schwindsucht". Soweit ein Auszug aus dem Herbarium des mittelalterlichen Arztes Mattioli.

 

Früher ging man davon aus, dass die Natur gegen jedes Leiden ein entsprechendes Mittel bereithielt. Nach der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Signaturenlehre erinnerten die Flecken auf den Blättern des Lungenkrautes an Lungen, und dies hielt man für einen Hinweis darauf, dass die Pflanze zur Behandlung von Lungenkrankheiten geeignet sei. Heute hat man sicher wirksamere Mittel, aber als Heilpflanze wird das Lungenkraut noch immer gesammelt. Es enthält auch Kieselsäure, Schleime, Saponine, Gerbstoffe und größere Mengen Mineralien und wirkt dadurch hustenreiz- und entzündungshemmend.

 

Interessant ist die Pflanze aber auch wegen des Farbwechsels der frischen Blüten von rosa zu blau. Dieser Farbwechsel hängt mit Zellsaftreaktionen zusammen; das Milieu in den Knospen ist erst sauer, daher sind die Blüten anfangs rosa; nach der Bestäubung wird es dann neutral bis leicht alkalisch, wodurch die Blüten blau werden.

 

Es gibt verschiedene Lungenkraut-Arten, die sehr schwer zu bestimmen sind und zudem untereinander noch Bastarde bilden. Das Lungenkraut kommt in fast ganz Europa vor und wächst in Laub- und Laubmischwäldern. Vor allem an den Waldrändern und in angrenzenden ungenutzten Grasflächen ist es zu finden. Das Echte Lungenkraut ist im Norden Deutschlands häufiger als im Süden und liebt kalkhaltigen, lehmigen Boden. An seinen Wuchsorten kommt das Lungenkraut meist in großen Beständen vor. Es wird etwa 15-30 cm hoch und blüht im März und im April. Mehrere Blüten stehen in einem doldenähnlichen Blütenstand beisammen.

 

Als Wildgemüse verwendet werden die jungen Rosettenblätter zu gemischten Salaten, Gemüsen und Suppen. Wegen des Kieselsäuregehalts wirkt Lungenkraut gewebsfestigend. Der Tee wirkt reizlindernd und schleimlösend auf die Atemwege.

 

Lungenkrautpulver beschleunigt die Wundheilung, wenn man es auf frische Wunden streut.