Melisse

Lat. Bezeichnung: Melissa officinalis

 

Volksnamen: Wanzenkraut, Bienenkraut, Frauenkraut, Gartenmelissen, Herztrost, Mutterkraut, Zitronenkraut, Zitronenmelisse

Verwendete Pflanzenteile: das ganze Kraut

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Hauptbestandteile Citral und Citronellal), Bitterstoff, Gerbstoff, Harz, Schleim. Der Vitamin C-Gehalt der frischen Pflanze pro 100 Gramm Frischgewicht beträgt 253,0 Milligramm.

Sammelzeit: Juni / Juli vor der Blüte, im Spätsommer ist ein zweiter Schnitt möglich

 

Die Zitronenmelisse oder Melisse (Melissa officinalis) ist eine aus Südeuropa stammende Staude aus der Familie der Lippenblütler. Im Deutschen ist auch die Bezeichnung Herztrost für die Melisse verbreitet. Da sie aber so vielfältige Heilwirkungen hat, wird sie schon lange in mitteleuropäischen Gärten angebaut. Sie riecht beim Zerreiben leicht zitronenartig, daher wird sie auch oft Zitronenmelisse genannt. Wenn sie einmal in einem Garten heimisch geworden ist, wuchert sie Jahr für Jahr vor sich hin und bietet sich als Haustee und vielfältige Medizin an.

 

Geschichte: Die Melisse ist eine sehr alte Heilpflanze, die schon Plinius im 1. Jahrhundert n. Chr. als Mittel gegen Hypochondrie und Hysterie erwähnt. Die arabischen Ärzte in Spanien haben sie wegen ihrer beruhigenden und krampflösenden Wirkung viel bei Angstzuständen, nervös bedingten Kopfschmerzen, Neurasthenie und Herzaffektionen genutzt. Nachdem die Benediktiner von den Arabern die Melissenzucht übernommen hatten, ist ihr Melissenwasser, und besonders das Melissenwasser der Karmeliter, eine berühmte, bei Verdauungsstörungen, Blutarmut, Gedächtnisschwäche, Übererregbarkeit und vielen anderen Krankheitszuständen gebrauchte Arznei geworden.

 

Die Pflanze, deren Name Melisse (griechisch = Biene) die Vorliebe der Bienen für dieses Kraut ausdrücken soll, wächst in dichten, bis zu 80 cm hohen Büscheln. Sie entfaltet ihre zahlreichen kleinen, weißen Lippenblüten, deren viele zu Scheinquirlen in den Achseln der oberen Laubblätter vereinigt sind, in der ersten Hälfte des Sommers. Der Kelch der Blüte ist glockig, die Oberlippe flach, kurz zähnig, schwach gewölbt und zweiteilig, die Unterlippe dreilappig mit verlängerten Mittellappen. Die Blüte hat vier Staubblätter, ihre Kronröhre ist aufwärts gekrümmt. Der Stängel der Pflanze ist aufrecht, vierkantig und meist stark verästelt. Die Blätter sind kreuzweise gegenständig angeordnet; im unteren Teil des Stängels sind sie lang gestielt, herz-eiförmig und gekerbt, im oberen Teil kurz gestielt, länglich und gesägt. Ihre Farbe ist oben sattgrün, unten heller.

Sie sind schwach und nur auf den Nerven etwas mehr behaart und gleichen denen der Brennnessel. Vor der Blüte strömen sie einen angenehm zitronenähnlichen Duft aus und schmecken ebenso. Später, nach dem Verblühen, wird ihr Geruch unangenehm wanzenartig, worauf auch der volkstümliche Name "Wanzenkraut" für die Melisse zurückzuführen ist.

 

Wirkungsweise: beruhigend, entspannend, krampflösend, den Gallenfluss fördernd, schmerzstillen, nervenstärkend, antiviral, antibakteriell, schweißtreibend, aufmunternd

 

Medizinische Verwendung: Die aus den Blättern der Melisse gewonnenen, aktiven Bestandteile - einschließlich des ätherischen Öls (Melissenöl) - wirken beruhigend und entkrampfend. Außerdem fördern sie die Verdauung. Aufgrund ihrer entkrampfenden und beruhigenden Wirkung eignet sich die Melisse besonders bei leichten Graden von Schlaflosigkeit und bei spastisch-nervösen Beschwerden. Weitere Anwendungsgebiete sind dyspeptische Beschwerden und Erkältungskrankheiten.

Melissenöl oder Melissengeist dämpft, äußerlich angewandt, Zahn-, Ohren-, Kopfschmerzen und Migräne

Innerlich nimmt man 3mal täglich 1 Tasse eines Aufgusses aus 10g  der Blattdroge auf 1 Tasse Wasser. So beruhigt Melisse nervöse, kolikartige Magen- und Darmbeschwerden, stillt aber auch das erbrechen von Schwangeren.

 

Verwendung in der Küche

Melissenblätter werden sowohl als Gewürz, besonders für Salate und Saucen, als auch zur Herstellung von Kräuterlikören und als Zusatz zu Bowlen verwendet.

Die bittersüßen, frisch nach Zitrone schmeckenden Blätter eignen sich als Gewürz oder Tee und werden dafür am Besten kurz vor der Blüte geerntet. Für Tee werden die frischen Blätter einfach mit heißem Wasser übergossen. Da die feinen Blatthärchen, die sich dabei gelegentlich lösen, mitunter als störend empfunden werden, empfiehlt es sich, den Tee zu filtern.

Als Gewürz ist das Aroma der Zitronenmelisse besonders dann intensiv, wenn die Blätter im Mörser zerrieben werden.

 

Melisse als Duftpflanze

Die getrockneten Blätter der Melisse eignen sich für Potpourris und Duftkissen und strömen einen zarten Zitronenduft aus, der durch das ätherische Öl verursacht wird, das sich in kleinen Drüsen auf der Blattoberfläche befindet.

 

Zitronenmelisse in der Pflanzenheilkunde

Zitronenmelisse wird seit mehr als 2.000 Jahren in der Heilkunde hochgeschätzt. Plinius (23 –79 n. Chr.) bezeichnet Melisse in seiner Naturalis historica als Mittel gegen Hysterie und Paracelsus (1493-1541) nennt Melisse „das beste Kräutlein für das Herz“. Arabische Ärzte haben sie bei Angstzuständen, nervös bedingten Kopfschmerzen und Herzproblemen eingesetzt. Die Araber waren es auch, die im 10. Jahrhundert die Melisse nach Spanien brachten. Von dort fand die Melisse Einzug in die Klostergärten. Hildegard von Bingen (1098-1179) soll geschrieben haben, eine Tasse Melissentee vor dem Schlafengehen getrunken bringe gute Träume.

Wissenschaftlich anerkannt ist die heilende Wirkung von Melisse bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen. Besonders empfehlenswert ist eine Anwendung zusammen mit Hopfen und Baldrian. Medizinisch anerkannt ist auch die Wirksamkeit von Melissenextrakt in Form einer Creme gegen Lippenherpes. Frühzeitig angewendet, lassen die lästigen Beschwerden rasch nach, die weitere Infektion von gesunden Zellen mit Herpes-Viren wird unterbrochen, und vorhandene Herpesbläschen heilen meist rasch ab.

 

Melisse im Volksglauben

Melissenblätter aufs Herz gebunden, heilen von Liebeskummer. Zitronenmelisse ist das Kraut der Wissenschaftler, das den Studenten gegeben wurde, um ihren Verstand und ihre Erinnerungsvermögen zu schärfen. Bauersfrauen fütterten die Kühe mit Zitronenmelisse, damit sie mehr Milch gaben.