Rainfarn
lat. Bezeichnung: Tanacetum vulgare
volkstümliche Namen: Gülden Knöpfle, Michelkraut, Rehfarn, Revierblume, Tannkraut, Westenknöpf, Wurmkraut, Wurmsamen Dreifuß, Drüsenkraut, Jesuswurz, Kraftkraut, Matkraut, Milchkraut, Muttergottesrute, Peerknöppe, Pompelblume, Pressblume, Rainfeldblume, Regenfan, Reifen, Revierkraut, Rainfart, Sauersaat, Weinwermut
Inhaltsstoffe: Pyrethrin, Thujon, Bitterstoff, Gerbstoff, Kampfer, Bittere Glykoside, Phytosterole, Parthenolid
Verwendete Pflanzenteile: Blüten, Kraut
Sammelzeit: Juli und August
Eigenschaften: anregend, harntreibend, krampflösend, tonisierend
Anwendungsgebiete: Appetitlosigkeit, Blähungen, Eingeweidewürmer, Furunkel,
Gicht, Hämorrhoiden, Hautreizungen, Insekten abwehrend, Krampfadern,
Magenkrämpfe, Menstruation fördernd, Quetschungen, Rheuma,
Verdauungsstörungen, Verdauung fördernd, Verstauchung
Verwendung in der Pflanzenheilkunde
In den antiken Schriften ist der Rainfarn nicht zu finden. Die erste schriftliche Überlieferung findet sich im Capitulare Karls des Großen. Rainfarn wurde früher bei Wurmerkrankungen eingesetzt, allerdings rufen größere Mengen als 1 bis 3 Gramm Rainfarn Vergiftungserscheinungen hervor, so dass man heute im Falle von Wurmerkrankungen auf andere, wirkungsvollere und harmlosere Mittel zurückgreift. Verbreitet war auch seine Verwendung gegen Ungeziefer. Eine Waschung sollte Flöhe und Kopfläuse vertreiben. In der Tierheilkunde wird der Tee Kälbern und Kühen bei Durchfall verabreicht. Als Breiumschlag soll Rainfarn bei Quetschungen, Rheuma und Krampfadern helfen.
Früher wurden damit auch Abtreibung ungewollter Schwangerschaften vorgenommen. Dies sollte man heute aber unterlassen, weil das Risiko dabei an der dafür nötigen Vergiftung zu sterben zu groß ist. Außerdem ist es strafbar.
Das Laub kann Hautreizungen verursachen. Rainfarnöl ist ein starkes Gift, dessen innere Anwendungen nicht unbedenklich sind, weil sie zu Allergien und Vergiftungen führen können.
Nebenwirkungen:
Rainfarn ist giftig (Thujon)!! Vergiftungssymptome:
Erbrechen, Entzündungen von Magen und Darm mit Schmerzen, Rötung des Gesichts,
Pupillenerweiterung. Weiterer Verlauf: Starke Krämpfe, Herzrhythmusstörungen,
Uterusblutungen, Schädigungen von Niere und Leber, Ohnmacht. Bei
tödlicher Vergiftung erfolgt Kreislauf- und
Atemstillstand.
Der Rainfarn wird auch als Färbepflanze verwendet.
Die Blütenköpfe des Rainfarns ergeben zusammen mit dem Beizmittel Alaun einen dunkelgelben Farbton. Für die Beize werden 12 bis 20 g Alaun auf 100 g Wolle genommen. Dunkelgrün wird die Färbung mit einer Alaunvorbeize, Eisensulfat-Nachbeize und Ammoniak-Entwicklungsbad. Man braucht etwa 400 g frische Blüten für 100 g Wolle
* Für den Garten wird aus 500 g frischen, blühenden Pflanzen und 10 l Wasser eine Brühe angesetzt, die besonders gegen Erdbeerblütenstecher, Milben, Himbeerkäfer, Blattwespen, aber auch gegen Rostpilze und Mehltau wirken soll.
* Um Flöhe von Haustieren fern zu halten, werden frische
Rainfarn-Blätter in das Fell des Tieres gerieben.
* Um Ameisen und Mäuse abzuschrecken, verstreut man getrocknete Rainfarn-Blätter
und Rainfarn-Blüten.
Hildegard von Bingen
und ihre Erfahrungen mit der Pflanze Rainfarn:
"Der Rainfarn ist warm und etwas feucht, und er ist gut
gegen alle überfließenden und ausfließenden Säfte. Denn wer den Schnupfen hat
und dadurch hustet, der esse Rainfarn, entweder in Suppen oder in Kuchen oder
mit Fleisch oder auf irgendeine Weise. Er unterdrückt die Säfte, dass sie in ihm
nicht überhandnehmen, und so werden sie weniger. Und wer trockenen Husten hat,
der bereite mit feinem Mehl und Rainfarn Suppen und esse sie oft, und so werden
die Trockenheit und die inneren Geschwüre seines Hustens gelöst, so dass jener
Mensch, der Auswurf hat, diesen ausspeit, und es wird ihm besser gehen.
Aber auch wer im Magen von verschiedenen üblen Speisen Schwere und Drücken hat,
der nehme Suppe, die ohne Gemüse und ohne andere Kräuter gekocht ist, und da
hinein lege er Rainfarn, und er koche es von neuem, und gekocht esse er es oft,
und es erweicht seinen Magen und macht ihn licht und bereitet eine angenehme
Verdauung.
Und wer immer den Harn nicht lassen kann, so dass er vom Stein bedrängt wird,
der zerstoße Rainfarn und seihe seinen Saft durch ein Tuch, und er gebe etwas
Wein bei, und so trinke er oft, und das Harnverhalten wird gelöst, und er lässt
ihn hinaus.
Daher nehme eine Frau, die an verstopftem Monatsfluss leidet und davon Schmerzen
hat, Rainfarn und Mutterkraut in gleichem Gewicht und etwas mehr Wollkraut als
eines der beiden, und sie koche das mit Wasser eines offenen und fließenden
Wasserlaufs, der von der Sonne und der Luft gemäßigt wird. Und dann nehme sie
auch Ziegelsteine und lege sie ins Feuer, und sie mache ein Schwitzbad mit dem
vorgenannten Wasser und den Kräutern. Und wenn sie dieses Bad betreten hat, lege
sie die warmen Kräuter auf ein Schemelchen, und sie sitze darauf. Und wenn sie
wiederum erkaltet sind, wärme sie sie wiederum in dem vorgenannten Wasser. Und
dies tue sie, so lange sie in jenem Bade sitzt, damit durch die Säfte dieser
Kräuter ihre Haut und ihr Fleisch außen und die Gebärmutter innen erweicht
werden, und damit ihre Adern, die verschlossen sind, geöffnet werden."