Waldmeister
Lat. Bezeichnung: Galium orodata, Asperula orodata
Familie: Rubiaceae - Rötegewächse
Volksnamen: Duftlabkraut, Gliederkraut, Halskräutlein, Herzfreude, Herzfreund, Leberkraut, Mäschtee, Maikraut, Maitee, Sternleberkraut, Mäschtee, Sternleberkraut, Tabakskraut, Teekraut, Waldmanntee, Waldtee, Waldmännchen. Woodroff (engl.), Reine des Bois, Belle Etoile (frz.)
Sammelzeit: Mai - Juni
Verwendete Pflanzenteile: das blühende Kraut
Inhaltsstoffe: Im Kraut kommt Cumaringlycosid vor, das besonders beim verwelkenden Blatt Cumarin abspaltet. Cumarin verursacht den besonderen Waldmeister-Duft. In geringen Mengen kommen zudem vor: das Glucosid Rubichlorsäure (siehe Färberkrapp), Bitterstoffe und Gerbstoffe.
Heilwirkung: Kopfschmerzen, Migräne, nervöse Schlaflosigkeit, nervöse Unruhe, Verdauungsbeschwerden, vermindert die Blutgerinnung, krampflösend
Der Waldmeister (früher Asperula odorata) vertrieb - angeblich - die Hexen! Kühe, die nicht fressen wollten, kurierte man mit einer Handvoll Waldmeister, der mit Salz gewürzt war.
Die Pflanze wird als Heilpflanze verwendet, da sie Vitamin C und Cumaringlykosid enthält. Vor Selbstmedikamentation ist jedoch abzuraten, da bei unsachgemäßer Zubereitung eines Waldmeistertees Vergiftungserscheinungen auftreten können.
Als Heilpflanze wirkt Waldmeistertee krampflösend. Wenn Sie in einer warmen Maiennacht vor Unruhe mal nicht schlafen können, schütten Sie sich eine Tasse Waldmeistertee aus dem Kraut auf.
Sie werden sanft einschlafen und schön träumen. ( 1 g Waldmeister auf ca. 100 ml Wasser)
Im "Mottenkissen" vertreibt diese Pflanze wesentlich wohlriechender als Mottenkugeln die Tierchen. Auch für Potpourri-Mischungen geeignet.
Wenn Waldmeister besonders stark duftet, steht Regen bevor - das ist oft eine sicherere Wettervorhersage als die Fernseh-Wetternachrichten und so reiht er sich als "Wetterpflanze" in die Zauberkräuterwelt ein.
Als Räucherpflanze wirkt er schutzmagisch z. B. in der Räuchermischung: Waldmeister, Huflattich und Minze.
Vom Wackelpudding kennen wir ihn alle, aber frischen Waldmeister liefert uns der Garten und es gibt ihn im Mai auch auf Märkten und in manchen Gemüsegeschäften. Getrocknet kann man ihn nicht kaufen. "Der Waldmeister lebt erst nach seinem Tode wahrhaft auf. Wenn die Pflanze dahingewelkt ist, spendet sie den Hauch ihres Opfers: prickelnden, in Wein geborenen Maienduft...."(Schnack).
Auch heute noch entfaltet er getrocknet wirkungsvoll in der schon 854 von einem Benediktinermönch erwähnten Waldmeisterbowle seinen Zauber (die Stiele sollten die Bowle dabei nicht berühren)! Wenn die honigduftenden - oder nach frischem Heu duftenden Blüten erscheinen, sollte die Ernte allerdings abgeschlossen sein, weil sonst der Cumerin-Gehalt zu hoch ist!
Denn VORSICHT: Waldmeister enthält Cumarin-Glykosid und kann somit in großer Menge genossen zu Kopfschmerzen, Benommenheit und sogar Schwindel führen. Vor allem dann, wenn man ihn zu lange im Wein ziehen lässt. Die darin enthaltene Menge ist jedoch so gering, daß er nach neuesten Erkenntnissen nicht krebserregend ist.
Nehmen Sie deshalb nicht mehr als 3 Pflanzen pro 1 Liter Bowle!
Die Likörindustrie nutzt den Waldmeister als Aromastoff für Vermouth, Magenbitter und Kräuterliköre.
Verwendung:
Das vor der Blütezeit geerntete Kraut wird hauptsächlich zur Bereitung des würzig schmeckenden Maiweines gebraucht. Im getrockneten Zustand kann Waldmeister in Schränke und Schubladen gelegt werden, um Motten fernzuhalten. Weiterhin dienten die Blätter als Beimischung zu Tabak- und Tee-Ersatz. Der Aufguss des Krautes wird bei Nervosität, Verdauungsbeschwerden und Wassersucht verwendet.
Rezepte
Cocktailglas1 Bund Waldmeister , Pfefferminzblätter, Erdbeerblätter und 2 Zitronen in eine Glasschüssel geben, mit 1500 ml Weißwein auffüllen, nach 15-20 Minuten in den Bowlenkübel seihen und den Maitrunk mit 750 ml Sekt oder Mineralwasser auffüllen.
Die Waldmeisterblüten eignen sich auch, um sie in Eiswürfeln einzufrieren - am besten wirken sie in "dunklen" Getränke
Beruhigungs-Tee, Waldmeister
Zutaten: 2 Teelöffel Waldmeister
Man übergießt den Waldmeister mit 1 Tasse kochendem Wasser, lässt 10-15 Minuten ziehen und seiht ab. Anwendung: Morgens und abends 1 Tasse
Haus-Tee
1 Teil Waldmeister, 3 Teile Himbeerblätter, 3 Teile Brombeerblätter, 3 Teile Erdbeerblätter, 2 Teile Melisse, 1 Teil Pfefferminze
Man übergießt 1 Teelöffel der Teemischung mit 1 Tasse kochendem Wasser, lässt 10 Minuten ziehen und seiht ab.
20 g Waldmeister, 150-200 g Zucker, 1/2 Orange, 1 l Weißwein
Der Waldmeister wird im Mai, kurz vor dem Aufblühen, geerntet. Man wäscht ihn, schneidet die Stiele ab, gibt den Zucker, die in Scheiben geschnittene Orange (ohne Kerne) und den Weißwein dazu, läßt die Masse 1/2 Stunde, am Besten auf Eis, stehen und serviert sogleich die durchgeseihte Bowle.
kleiner Strauss Waldmeister (10-15 Stück), 4 EL Zucker
je 1 Flasche Apfelsaft und kohlensäurehaltiges Mineralwasser Waldmeister und Zucker in ein Bowlengefäss, mit Apfelsaft übergießen, mehrere Stunden an einem kühlen Ort ziehen lassen, mit kaltem Mineralwasser auffüllen und sofort genießen
Sonstiges: Waldmeister muss einige Stunden anwelken, nur dann entwickelt sich das typische Aroma!
2 Flaschen Weißwein (z. B. trockener Riesling), 2 Esslöffel Pfirsichlikör oder Zucker, 2 Bund Waldmeister, 1 Flasche Sekt oder Champagner
Man gibt eine Flasche ungekühlten Weißwein mit dem Likör oder Zucker in ein Gefäß, bindet den bereits angewelkten Waldmeister an den Stielen zusammen und hängt ihn in dieses Gefäß.
Man lässt 30 Minuten ziehen und nimmt den Waldmeister wieder heraus. Man gibt nun die andere Flasche Weißwein und den Sekt oder Champagner (beide eiskalt) dazu und garniert nach Belieben mit frischem Waldmeister. Die Bowle wird sofort serviert.
Wenn kein frischer Waldmeister verfügbar ist, kann man auch einige Esslöffel Waldmeister-Sirup verwenden (in diesem Fall aber Zucker bzw. Likör weglassen).
2 Bund Waldmeister, 500 ml Weinessig (mild), 1,5 l Wasser, 750 g Zucker, 250 ml Rum, Saft von 1 Zitrone
Dieses Rezept ergibt eine erfrischende, säuerliche Limonade. Den Waldmeister pflückt man im Mai vor der Blüte.
Man übergießt ihn mit dem Essig, lässt 8 Tage stehen und seiht ab. Jetzt gibt man die restlichen Zutaten dazu und füllt in Flaschen ab. Je nach Geschmack kann das Getränk vor dem Trinken mit Wasser verdünnt werden.
60 g Waldmeister, 0,5 l Wasser, 300 g Zucker, 100 ml Alkohol (90%), 700 ml Wodka
Man bündelt den Waldmeister mit Schnur, hängt ihn in das Wasser und lässt das abgedeckte Gefäß über Nacht stehen. Dann gibt man den Zucker dazu, kocht kurz auf, nimmt den Waldmeister heraus, kocht die Lösung solange, bis sie zur Hälfte eingedampft ist. Sobald die Mischung abgekühlt ist, gibt man den Alkohol dazu, füllt in eine Flasche, die fast voll gefüllt sein muss, ab und lässt unter gelegentlichem Schütteln in der Sonne 4 Wochen lang stehen. Anschließend wird mit Wodka verdünnt.
Haltbarkeit ca. 6 Monate.
6-8 Stängel Waldmeister, 1 Liter Apfelsaft, 12 Blatt Gelatine
Der Waldmeister wird mit der Hand zerdrückt, im Apfelsaft zwei Stunden ziehen gelassen und anschließend herausgenommen. Die Gelatine lässt man nach Vorschrift in Wasser quellen und schmilzt sie in lauwarmem Apfelsaft. Nach und nach rührt man den Waldmeister-Apfelsaft dazu und füllt alles in ein Gefäß, das einige Stunden kühl gestellt wird.
Nach dieser Zeit hat sich der Saft verfestigt und der Wackelpudding kann serviert werden. Man kann mit Blättchen von Waldmeister garnieren und Vanillesauce dazu reichen.
200 g Sahne, 2 Stängel Waldmeister, etwas Zitronensaft, etwas Honig
Waldmeister-Sahne schmeckt auf frischen Erdbeeren sehr lecker.
Man schlägt die Sahne steif, schneidet den Waldmeister mit der Schere in kleine Stücke und püriert ihn mit etwas Zitronensaft und Honig. Die Mischung wird unter die Sahne gemischt und nach Bedarf mit Honig und Zitronensaft abgeschmeckt.
2 kg Zucker, 2 Liter Wasser, 60 g Zitronen- oder Ascorbinsäure, 3 unbehandelte Zitronen, 1 Sträusschen Waldmeister
Der Waldmeister-Sirup ist eine beliebte Frühlingserfrischung für Kinder.
Man gibt den Zucker in das Wasser und kocht unter Rühren bis sich der Zucker aufgelöst hat. Dann gibt man die Zitronensäure dazu, rührt gut um und lässt abkühlen. Die Zitronen werden gewaschen, in Scheiben geschnitten und zusammen mit dem Waldmeister in den Zuckersirup gegeben. Die Mischung lässt man zugedeckt drei Tage an einem kühlen Ort stehen. Anschließend siebt man ab und füllt in Flaschen. Der Sirup sollte im Kühlschrank aufbewahrt werden.
1 Tasse Sahne, 1 Tasse Milch, 6 Zweige Waldmeister (Blätter und Blüten), 2 Eigelb, 2 Teelöffel Honig
Man gibt Waldmeister, Sahne und Milch in einen Topf und erhitzt es mit leichter Hitze. Man deckt das Gefäß ab und hält die Temperatur 10 bis 15 Minuten unterhalb des Siedepunktes. Dann entfernt man das Gefäß vom Herd und siebt ab.
Das Eigelb wird geschlagen bis es schaumig ist. Während man weiter schlägt, gibt man die Milch-Sahne-Mischung langsam dazu. Jetzt gibt man die Masse in eine Eismaschine und lässt gefrieren. Hat man keine Eismaschine so läßt die Masse im Kühlfach einfrieren.
1 Bund Waldmeister, 0,5 Liter Weißwein, 20 ml Cognac (Gläschen), 100 g Zucker, 4 Eier, Saft einer halben Zitrone, etwas geriebene Zitronenschale, 1 Päckchen Gelatine
Man gibt den Waldmeister zusammen mit dem Wein in ein großes Gefäß und lässt drei Stunden ziehen. Anschließend entfernt man den Waldmeister, gibt Cognak, Zucker, 1 ganzes Ei, 3 Eigelb, Zitronensaft und Zitronenschale zum Wein. Man erhitzt die Mischung sehr vorsichtig und rührt bis sich Schaum bildet. Daneben schlägt man die 3 Eiweiß zu Schaum und rührt sie unter den Weinschaum, zusammen mit der nach Gebrauchsanweisung aufgelösten Gelatine.
Man stellt kühl bis die Creme erstarrt ist. Die Weinschaumcreme schmeckt gut zu süßem Gebäck.